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Hartmut Krauss

Islam in „Reinkultur“.

Zur Antriebs- und Legitimationsgrundlage des „Islamischen Staates“ und seiner antizivilisatorischen Schreckensherrschaft

 

Die Bilder und Berichte über die grausamen und abscheulichen Gewalttaten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die in Teilen Syriens und des Iraks ein Kalifat ausgerufen hat, sind zwar mittlerweile massenmedial hinreichend bekannt gemacht, aber bislang noch kaum adäquat eingeordnet, beurteilt und kommentiert worden. Vielmehr dominiert der sattsam bekannte Diskurs der Verleugnung und Abspaltung, der jede rational begründbare Zuordnung sofort stereotyp abwehrt und in dreister Wahrheitswidrigkeit erklärt: „Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun.“ Es ist noch nicht ausgemacht, ob diese ebenso notorische wie empörende Abwehrhaltung weiterhin stabil bleibt oder ob der Unmut darüber über kurz oder lang das Fass zum Überlaufen bringt. Festzustellen ist jedenfalls, dass der Tod umgezogen ist: Schon seit längerer Zeit ist er ein Meister aus dem Morgenland.

So sehen und hören wir von bestialischen Massenhinrichtungen von „Ungläubigen“; triumphalistischen Enthauptungsszenen und obszönen Leichenschändungen vor laufender Kamera; Vergewaltigung und Versklavung von Frauen und Mädchen; von Kleinkindern, die vor den Augen ihrer Mütter verstümmelt und getötet werden, indem man sie in zwei Hälften zerlegt[1], von Massakrierungen der viehischsten und perversesten Art bis hin zur Verfütterung der geschändeten Leichen an Hunde (die im Islam als unreine Tiere gelten)[2].

Fast alle sind sich natürlich angesichts dieser Bilder und Meldungen darin einig, dass es sich bei den bestialischen Handlungen des IS um einen Zivilisationsbruch handelt, dem unbedingt Einhalten geboten werden muss. Dabei wird aber zumeist vergessen, dass die Taten des IS nur eine Akkumulation und Verdichtung von Gräueltaten darstellen, die längst von verschiedenen islamischen Tätern an verschiedenen Orten gezeigt worden sind und kontinuierlich gezeigt werden: Man erinnere sich zum Beispiel an die Enthauptung des entführten Journalisten Daniel Pearl (2002) in Pakistan, die Ermordung Theo van Goghs (2004) auf offener Straße in Holland, die Tötung des entführten amerikanischen Geschäftsmannes Nicholas Berg vor laufender Kamera durch irakische Dschihadisten (2004), die Terroranschläge von Madrid (2004) und London (2005) oder die Zerstückelung eines englischen Soldaten in London auf offener Straße durch zwei konvertierte islamistische Afrikaner (2013), die bei ihrer Mordtat gerufen haben sollen „Wir schwören beim allmächtigen Allah, wir werden nie aufhören, euch zu bekämpfen.“[3] Hinzu kommt die gesamte terroristische Gewaltagenda der zahlreichen regional- und nationalspezifischen islamistischen Bewegungen und Gruppen von Al Kaida im Maghreb über Boko Haram (Nigeria), Al Shabaab (Somalia), den dschihadistischen Milizen in Libyen, den Islamisten auf dem Sinai, der Hamas bis zu den afghanischen und pakistanischen Taliban sowie den islamistischen Kräften in den ehemaligen Südrepubliken der Sowjetunion, in Indien, Indonesien, auf den Philippinen (Abu Sayyaf) und in China (uigurische Separatisten; Islamische Bewegung Ost-Turkestan[4]).

Was auf den ersten Blick wie die Phänomenologie eines irrational-psychopathischen Blutrausches aussieht, lässt auf den zweiten Blick ein klar gegliedertes und normiertes Vorgehen erkennen, das sich konsequent aus den Quellen des Islam sowie der historischen Matrix der islamischen Eroberungen ableitet. D. h.: Die barbarischen und abscheulichen Taten des IS haben sehr wohl mit dem Islam zu tun. Ja, sie sind eine logische Konsequenz und strikte Umsetzung des im Islam angelegten Anweisungssystems.

Leon de Winter hat recht, wenn er feststellt: „Wer vom Dschihad besessen ist, hat bemerkenswerte Macht. Er kann in orgiastischem Fieber vergewaltigen, töten und Beute machen. Dank der Gehirnwäsche, die er unterlaufen hat, weiß er dieses Vorgehen von seiner Religion legitimiert.“[5] Es ist gerade der Bezug auf einen vermeintlichen „göttlichen Willen“, also im konkreten Fall die psychisch nachhaltige Betroffenheit von einem islamischen Gotteswahn, der die systematische Entskrupelung generiert. Im Unterschied zum einzelnen Serientäter, der aufgrund eines endogenen Defekts „triebhaft“ handelt, agiert der Dschihadist aufgrund der Verinnerlichung einer orientierenden und legitimierenden Gedankenform in Gestalt einer religiösen Ideologie. Es geht folglich um die „Übersetzung“ objektiver (hier: islamischer) Ideologieinhalte in subjektive Überzeugungen als Handlungsgründe[6].

Die Besonderheit des IS besteht darin, dass seine „Kämpfer“ im Unterschied zu den Nazis mit ihren Untaten regelrecht prahlen und diese über moderne Medien reklametechnisch zur Schau stellen, während sie gleichzeitig einen extrem rückständigen Sittenterror gemäß ihrer salafistischen Leitideologie umsetzen. (Islamspezifische Verknüpfung von technischer Moderne mit barbarischer Vormoderne als Grundprinzip totalitärer Bewegung[7].) Dabei agieren der IS und die anderen islamistischen Gruppen durchaus konsequent, indem sie den grundlegenden Wesenszug des Islam ausleben, nämlich eine frühmittelalterliche Herrschafts- und Sozialordnung festzulegen, religiös zu verabsolutieren und mit einem universellen Geltungsanspruch zu versehen.

 

I. Koran und Sunna als Richtschnur des antihumanistischen Dschihadismus

Auch unabhängig vom aktuell im medialen Blickpunkt stehenden Mix aus IS-Terror und Schreckensherrschaft betrachtet, gilt nach wie vor folgende Einschätzung: „Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht bestimmte muslimische Gewalttäter im Namen und zum Wohlgefallen Allahs ‚Ungläubige‘ in den Tod reißen. Nun sind natürlich nicht alle Muslime Terroristen, aber andererseits die allermeisten Terroristen der Gegenwart tief gläubige Muslime. Im Gegensatz zur medialen Standardbehauptung, wonach die gewalttätigen Dschihadisten den Islam für die Durchsetzung ihrer Machtziele gezielt missbrauchten, handelt es sich bei den islamistischen Terroristen und Selbstmordattentätern keinesfalls um Akteure, die ihre Religion strategisch bewusst verfälschen und zweckentfremden, also im Sinne eines vorsätzlichen Betrügers vorgehen. Vielmehr sehen wir hier Menschen am Werk, die subjektiv zutiefst religiös überzeugt sind und ihre Glaubensauslegung für die ‚einzig wahre‘ halten. Das objektiv Verhängnisvolle besteht darin, dass sich sehr wohl aus dem Koran und der Sunna Aussagen und ‚Vorbilder‘ ‚herausholen‘ lassen, die ihr Tun begründen und rechtfertigen.“ (Krauss 2007, S. 201)

Der Koran, der den gläubigen Muslimen als unmittelbares Gotteswort gilt und deshalb nicht willkürlich verändert oder eigenmächtig uminterpretiert werden darf[8], legt eindeutig fest, Ungläubige zu enthaupten und ein Gemetzel unter ihnen anzurichten:

„Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt“ (Sure 47, 4).

„Sie wünschen, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und daß ihr (ihnen) gleich seid. Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet; und nehmet keinen von ihnen zum Freund oder Helfer“ (Sure 4, 89).

„Und tötet sie (d. h. die heidnischen Gegner), wo (immer) ihr sie zu fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben!“(Sure 2, 191).

„Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf“ (Sure 9, 5).

„O ihr, die ihr glaubt, kämpfet wider die Ungläubigen an euern Grenzen, und wahrlich, lasset sie Härte in euch verspüren. Und wisset, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist.“ (Sure 9, 123).

„Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Allah und sein Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten. Und es sprechen die Juden: ‚Esra ist Allahs Sohn.‘ Und es sprechen die Nazarener: ‚Der Messias ist Allahs Sohn.‘ Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah, schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!“ (Sure 9, 29, 30).

Da Nichtunterwerfung und Widerstand gegen den islamischen Herrschaftsanspruch als Handlungen gegen Gott/Allah grundsätzlich ausgeschlossen sind und die Lebensordnung, ja die pure Existenz der Ungläubigen gegen Allahs Gesetz verstößt, ist es nicht nur erlaubt, sondern gemäß den islamischen Quellenaussagen geboten, unter der Voraussetzung errungener Vorherrschaft und kräftemäßiger Überlegenheit „Ungläubige“ zu töten, zu versklaven, zu berauben, zu foltern, zu betrügen, zu verspotten etc.; kurzum: als minderwertig zu behandeln[9].

„Werdet daher nicht matt und ladet (sie) nicht ein zum Frieden, während ihr die Oberhand habt; denn Allah ist mit euch und nimmer betrügt er euch um eure Werke.“ (Sure 47, 35)

„Und erlahmet nicht in der Verfolgung des Volkes (der Ungläubigen).“ (Sure 4, 104)

Grundsätzlich beinhaltet der Islam eine dualistische Ethik nach religiös-weltanschaulicher Zugehörigkeit, welche die eigene Gruppe überhöht und die „Andersgläubigen“ systematisch herabsetzt, auf jeden Fall Gleichbehandlung und Gleichberechtigung kategorisch ausschließt:

„Mohammed ist der Gesandte Gottes. Und diejenigen, die mit ihm (gläubig) sind, sind den Ungläubigen gegenüber heftig, unter sich aber mitfühlend.“ („Mohammed ist der Gesandte Allahs, und seine Anhänger sind strenge wider die Ungläubigen, barmherzig untereinander.“) (Sure 48, 29).

Bei näherer Betrachtung besitzen dann die „Ungläubigen“ im islamischen Diskurs den Status von Untermenschen; was entsprechende Behandlungspraktiken zumindest nahelegt. So heißt es in Sure 8, Vers 5:

„Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben.“ Von daher ist es nur noch ein kleiner Schritt, die Ausrottung der Ungläubigen zu legitimieren und im Koran Folgendes festzuschreiben: „(…) Aber diejenigen, die unsere Zeichen für Lüge erklärten und nicht gläubig waren, rotteten wir aus.“ (Sure 7, 72).

Folgerichtig ermahnt der Koran die muslimische Gemeinschaft eindringlich zur konstanten Aufrüstung und Kampfbereitschaft gegenüber den Ungläubigen: „Und diejenigen, die ungläubig sind, sollen ja nicht meinen, sie würden (uns) davonlaufen (w. sie würden das Rennen machen?). Sie können sich (unserem Zugriff) nicht entziehen. Und rüstet für sie, soviel ihr an Kriegsmacht und Schlachtrossen (?) (aufzubringen) vermögt, um damit Gottes und eure Feinde einzuschüchtern, und andere außer ihnen, von denen ihr keine Kenntnis habt, (wohl) aber Gott!“ (Sure 8, 59-60).

Hinzu kommen zahlreiche Verse, in denen die Qualen der Ungläubigen im Jenseits in sadistischer Ausführlichkeit aufgelistet werden. „Verbrennen wird das Feuer ihre Angesichter, und die Zähne werden sie in ihm fletschen“ (Sure 23, 106). „Nehmet ihn und fesselt ihn! Alsdann im Höllenpfuhl lasset brennen ihn! Alsdann in eine Kette von siebenzig Ellen Länge stecket ihn! Siehe, er glaubte nicht an Allah, den Großen, und sorgte sich nicht um die Speisung des Armen. Drum hat er heute hier keinen Freund und keine Speise außer Eiterfluß, den nur die Sünder verzehren“ (Sure 69, 30-37).

Das im Koran systematisch und zentral vermittelte Dispositiv gegen die „Ungläubigen“ als grundlegendes Einstellungsmerkmal gläubiger Muslime steht in einem direkten Verweisungszusammenhang mit folgenden weiteren islamischen Kerndogmen.

1. Zunächst ist hier der absolute Überlegenheits- und Herrschaftsanspruch des Islam anzuführen: „Als (einzig) wahre) Religion gilt bei Gott der Islam“. (Sure 3, 19) Wer dieser „Religion“[10] angehört, ist gemäß dieser primitiv-anmaßenden, aber dafür glasklar-unmissverständlichen Setzung zu uneingeschränkter bzw. totaler Herrschaftsausübung berechtigt: „Ihr (Gläubigen) seid die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist (w. die den Menschen hervorgebracht worden ist). Ihr gebietet, was recht ist, verbietet, was verwerflich ist, und glaubt an Gott“. (Sure 3, 110)

2. Den Muslimen als „Gemeinschaft der Rechtgläubigen“ ist daher aufgegeben, die absolute Herrschaft des Islam, d. h. die totale Herrschaft der Gesetze Allahs durchzusetzen. „Und kämpft gegen sie, bis … nur noch Gott verehrt wird (bzw. die Religion Allah gehört, H. K.)!” (Sure 2, 193) „Und kämpfet wider sie, bis kein Bürgerkrieg (Versuchung zum Abfall vom Islam, H.K.) mehr ist und bis alles an Allah glaubt.“ (Sure 8, 39). Auch eine überlieferte Aussage des Propheten Mohammed zielt genau in diese Richtung: „Mir ist befohlen worden, die Menschen zu bekämpfen bis sie sagen: es gibt keinen Gott außer dem (einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. Sie verrichten das Gebet und entrichten den Zakat. Wenn sie dies tun, bleibt sowohl ihr Leben als auch ihr Vermögen verschont…“[11]

3. Die Durchsetzung des islamischen Herrschaftsanspruchs erfordert konsequenterweise die positive Normierung bzw. herausgehobene Legitimierung und Huldigung einer kriegerisch-kämpferischen Handlungsweise. Dementsprechend gewinnt das Prinzip des militärischen Dschihad als islamspezifische Form herrschaftspolitischer Gewaltanwendung eine zentrale Bedeutung. Dabei wird die moralische Vorrangstellung der militanten Glaubenskämpfer als „Muslime erster Klasse“ deutlich hervorgehoben:

„Und nicht sind diejenigen Gläubigen, welche (daheim) ohne Bedrängnis sitzen, gleich denen, die in Allahs Weg streiten mit Gut und Blut. Allah hat die, welche mit Gut und Blut streiten, im Rang über die, welche (daheim) sitzen, erhöht. Allen hat Allah das Gute versprochen; aber den Eifernden (den mit der Waffe Streitenden, H. K.) hat er vor den (daheim) Sitzenden hohen Lohn verheißen“ (Sure 4, 95).

Dem universellen Herrschaftsanspruch des Islam entspricht folglich die Dominanz einer militärischen Akzentuierung des Dschihad-Prinzips, was dann eben konsequenterweise die moralische Vorrangstellung der aktivistischen Glaubenskämpfer beinhaltet. Um diese nun in ihrer Eigenschaft als Märtyrer, die für die Durchsetzung der Gesetze Allahs ihr irdisches Leben opfern, zu prämieren, hat der Islam - gewissermaßen als psychische Antriebsquelle - einen ausgeprägten Paradiesglauben kultiviert. Es gibt nicht nur eine Sure, in der die Figur des Märtyrers idealisiert wird, wie manchmal behauptet wird (vgl. z. B. Meddeb 2002, S.202): „Und wähnet nicht die in Allahs Weg gefallenen für tot; nein, lebend bei ihrem Herrn, werden sie versorgt“ (Sure 3, 169). So heißt es z. B. auch in Sure 4, 76: „Und so soll kämpfen in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich, dem geben wir gewaltigen Lohn.“

Sehr eindeutig sind auch folgende Aussprüche Mohammeds, die in den Traditionen überliefert sind und eine bestechende win-win-Konstellation für den islamischen Glaubenskämpfer parat haben: „Gott unterstützt den, der für den Pfad Gottes kämpft. Wenn er überlebt, kehrt er mit Ehren und Beute beladen nach Hause zurück. Wird er aber getötet, wird er ins Paradies gelangen.“

„Die Grenzen des Islam nur einen einzigen Tag zu bewachen ist mehr wert als die ganze Welt und alles, was in ihr ist.“

„In den letzten Tagen werden die Wunden der Kämpfer für den Pfad Gottes offenbar werden, und Blut wird ihnen entströmen, aber es wird wie Moschus duften“.

„Im Kampf für den Pfad Gottes getötet zu werden, löscht alle Sünden aus.“

„Wer stirbt und nie für die Religion des Islam gekämpft hat und nie auch nur in seinem Herzen zu sich gesprochen hat: ‚Wollte Gott, daß ich ein Held wäre und für den Pfad Gottes sterben könnte‘, der ist einem Heuchler gleich.“

„Für den Pfad Gottes zu kämpfen oder dazu entschlossen sein ist eine göttliche Pflicht. Wenn dein Imam dir befiehlt, in den Kampf zu ziehen, dann gehorche ihm.“ (Hughes 1995, S. 132).

„Niemand im Paradies möchte wieder zurückkehren, mit Ausnahme des Märtyrers, der im Kampf für die Sache Gottes gefallen ist. Er möchte auf die Erde zurückkehren, um noch zehnmal getötet zu werden, nach all den Ehrenbezeigungen, die ihm im Paradies zuteil wurden“ (al-Buhari 1991, S. 304).

Aufschlussreich ist auch folgender Ausspruch, der die unterstützende Hilfstätigkeit für ‚Gotteskrieger‘ heiligt und damit eine jeweils konkret-gesellschaftlich ausformbare Kultur religiöser Kumpanei mit ‚rechtgläubigen' Gewalttätern nahe legt:

„Jemand, der einen anderen im Kampf für den Pfad Gottes mit Waffen unterstützt, ist wie der Kämpfer selbst und hat Anteil an den Belohnungen. Und jener, der zurückbleibt, um sich um die Familie des Kämpfers zu kümmern, ist dem Kriegsheld ebenbürtig.“ (ebenda S. 132f.)

 

II. Das „Modell Mohammed“ und der islamische Eroberungsimperialismus als historische Vorbilder

Das Leben und Wirken des Propheten Mohammed, wie es in den Überlieferungen und Biographien dargestellt wird, gilt den gläubigen Muslimen als geheiligtes Vorbild. Wer dieses Vorbild anzweifelt, kritisiert, hinterfragt etc. oder sich gar darüber lustig macht, gilt als strengstens zu bestrafender Frevler[12].

Betrachtet man aber nun die Vita Mohammeds genauer, so findet man reichlich Nachahmungsmaterial für eine gewalttätige Praxis islamischer Rechtgläubigkeit. Dabei fungiert Mohammed nicht nur als Verkünder, sondern als Verwirklicher der absoluten Gesetze Allahs. Sehr klar und prägnant hat Ajatollah Chomeini diesen Sachverhalt in seiner Schrift „Der islamische Staat“ (1983, S. 28) zum Ausdruck gebracht: „ Zur Zeit des hochedlen Propheten (…) war es nicht so, daß man nur Gesetze verkündete und erläuterte. Man setzte sie auch in die Tat um. Der Gesandte Gottes (…) verwirklichte die Gesetze. Zum Beispiel führte er die Bestimmungen des Strafgesetzes aus; er hackte den Dieben die Hände ab, verhängte Hadd[13], steinigte. Auch der Kalif hat die Aufgabe solche Angelegenheiten zu regeln.“ Genau nach diesem Prinzip handeln auch die Akteure des IS.

Zur Tätigkeit des Propheten gehörte auch der Auftragsmord. Dieser betraf Personen, die sich nach kriegerischen Auseinandersetzungen in Schmähversen gegen Mohammeds Stamm, die Quraischiten, gewandt hatten. Eine dieser Personen war Ka’b b. al-Asraf, ein Anführer der jüdischen Banu n-Nadir. Nachdem Mohammeds Tötungsbefehl ausgeführt worden war, geschah Folgendes: „Ka’bs abgetrennten Kopf schleppten die Verbrecher zu Mohammed. Sobald sie sich dessen Wohnsitz genähert hatten und in Sicherheit waren, riefen sie: ‚Allahu akbar!‘ und der Prophet unterbrach sein rituelles Nachtgebet: ‚Allahu akbar!‘ ‚Glücklich seien eure Gesichter!‘ begrüßte er sie. ‚Und das deinige, Gesandter Allahs!‘ erwiderten sie und warfen ihm den Kopf vor die Füße. Da pries er Allah für den Tod Ka’bs, dann spie er in die Wunde des verletzten Mörders, und sie verheilte. Dies ist, was al-Waqidi über jene gräßliche Untat zu berichten hat“ (Nagel 2008, S.348).

Die vom IS angewandte Praxis der Enthauptung wehrfähiger männlicher „Ungläubiger“ sowie die Vergewaltigung und Versklavung der Frauen und Mädchen gehört ebenso zum „salafistischen“ Überlieferungsbestand wie die frühmuslimische Raub- und territoriale Eroberungsökonomie einschließlich der traditionalistischen Erpressung von Lösegeld für gefangene Geiseln. Als Beispiel kann hier das Schicksal des jüdischen Stammes der Qorayza angeführt werden. Man warf ihnen vor, dass sie während des „Grabenkrieges“ die feindlichen Belagerer aus dem Stadtinneren verdeckt unterstützt hätten und blockierte daraufhin fünfundzwanzig Tage lang ihre Wohnviertel. Nach ihrer Kapitulation waren die unterlegenen Qorayza bereit, zu den gleichen Bedingungen wie die beiden anderen jüdischen Stämme die Stadt zu verlassen. Mohammad aber lehnte ab und bestimmte in perfider Weise mit Sad ibn Moas einen Schiedsmann, „von dem er genau wußte, daß er auf die Banu Qorayza schlecht zu sprechen war. Sad enttäuschte ihn nicht. Sein Entschluss lautete, daß alle (700, H. K.) Männer der Banu Qorayza enthauptet, die Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft und ihr ganzer Besitz unter den Muslimen verteilt werden sollte“ (Dashti 1997, S. 163). Rodinson (1975, S. 205) schreibt zum weiteren Fortgang der Gräueltat: „Am folgenden Tag ließ er (Mohammed, H. K.) auf dem Markt von Medina große Gruben ausheben. Die Juden wurden in Gruppen gefesselt dorthin geführt und einer nach dem anderen am Rande der Grube enthauptet und hineingeworfen. Sie waren zwischen sechs- und siebenhundert, sagen die einen, zwischen acht- und neunhundert, die anderen.“

Im Nachhinein legte Mohammed das entsetzliche Geschehen als „Gottesurteil“ aus[14] und ließ obendrein zu, dass entgegen dem Schiedsspruch von Sad auch eine jüdische Frau, die mit seiner Gattin Aisha befreundet war, geköpft wurde (weil sie während der Blockade ihres Wohnviertels einen Stein geworfen hatte).

In einer Überlieferung wird die Vergewaltigung von Frauen in eroberten Gebieten explizit legitimiert: „Nach Abu Said

Wir waren auf einem Feldzug mit dem Gesandten Gottes in Mustaliq und raubten vornehme Frauen unter den Arabern. Wir hatten lange Enthaltsamkeit üben müssen, aber wir suchten ein Lösegeld zu erzielen. So wollten wir uns (ihrer) erfreuen und Verkehr mit Unterbrechung üben.

Wir sagten: Wollen wir es tun, während der Gesandte Gottes in unserer Mitte ist und wir ihn aber nicht (danach) fragen?

Wir fragten ihn also.

Er sagte: Es besteht für euch keine Pflicht, es nicht zu tun. Gott beschließt nicht die Erschaffung eines Menschen, der bis zum Tag der Auferstehung entstehen wird, ohne dass es geschieht. (Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi, Nasai)“[15]

Entgegen dem ebenso zählebigen wie tatsachenwidrigen Mythos von der islamischen Toleranz gilt es neben der ökonomischen Auspressung und muslimischen Massensklaverei die folgende Agenda festzuhalten, die den heutigen Dschihadisten als unverfälschtes Vorbild dient.

Wie aus den überlieferten Chroniken bekannt ist, waren die frühmuslimischen und späteren Eroberungen durchwegs mit Massakern, Verheerung und Vernichtung verbunden. Bei der Unterwerfung Syriens unter dem ersten Kalifen Abu Bakr wurden z. B. 4.000 Bauern (Christen, Juden, Samariter) ermordet. Ähnlich ging es zu bei der Eroberung Mesopotamiens von 635 bis 642 oder der kriegerischen Einnahme Ägyptens und Armeniens. Manchmal wurde gar die Gesamtbevölkerung abgeschlachtet und vielerorts Frauen, Kinder und Alte getötet. Die Behauptung, die Ausdehnung der islamischen Herrschaftskultur mit dem Schwert sei eine Ausnahme gewesen, wie „islamische Führer“ in einem offenen Brief an Papst Benedikt XVI. vom 12. Oktober 2006 behaupteten, entspricht nicht der Wahrheit. Im Gegenteil, in allen Eroberungsgebieten waren ähnliche Gräueltaten zu verzeichnen[16]. Auf der arabischen Halbinsel wurde eine Politik der religiösen Säuberung betrieben und Arabien mit Ausnahme des Jemens „juden- und christenrein“ gemacht - eine Maßnahme, die später auch von den Almohaden und Almoraviden in Spanien nach dem Ende des Kalifats 1031 erneut angewandt wurde. Pogrome gab es 889 in Elvira und 891 in Sevilla gegen Christen, im marokkanischen Fez 1033 mit über 6.000 Toten, 1066 in Granada mit 1.500 getöteten Familien[17], 1135 in Cordoba und 1235 in Marrakesch gegen Juden.

„Die (antijüdischen, H. K.) Pogrome im christlichen Herrschaftsgebiet“, so Flaig (2006, S. 37), „sind kein Ruhmesblatt der europäischen Kultur; aber ihre Ausmaße bleiben zurück hinter jenen der islamischen Welt. Wir brauchen dringend eine vergleichende Geschichte religiöser Unterjochung.“

Die infolge der Eroberungen durchgeführte Islamisierung zahlreicher Völkerschaften beinhaltete auch eine interkulturelle Synthese mit zum Teil fatalen Konsequenzen. Als Beispiel mag hier die Verbindung von mongolischem Kulturerbe und islamischer Herrschaftskultur dienen, wie sie der berüchtigte und blutrünstige Despot Timur der Lahme, auch Tamerlan genannt, repräsentierte. Er brachte Tausende Hindus um und errichtete aus ihren abgeschlagenen Köpfen eine Siegessäule. Ebenso führte er eine systematische Vernichtung von Christen in Mesopotamien durch, der Zehntausende zum Opfer fielen. Seine grausame Herrschaftspraxis „stellt eine bisher historisch noch nie vorgekommene Synthese von mongolischer Barbarei und muslimischem Fanatismus dar, und er symbolisiert jene fortgeschrittene Art primitiven Abschlachtens: den im Dienste einer abstrakten Ideologie durchgeführten Mord als Pflicht und heilige Sendung“ (Grousset zit. n. Warraq 2004, S. 324)

 

III. Schlussfolgerungen

Die elementare Verknüpfung von religiösem Überlegenheitsanspruch, universell-absolutistischem Herrschaftswillen und Dschihad-Prinzip hat zwei folgenschwere Konsequenzen:

Zum einen wird hier mit der religiösen Überhöhung von Gewaltanwendung sowie der normativen Verankerung von Mord, Raub, Versklavung und Tributabpressung als religiöse Pflicht eine aggressive Disposition bei den unter dem Diktat des orthodoxen Islam sozialisierten Gläubigen geschaffen. Zwar gibt es erfreulicherweise Menschen, die in islamische Milieus hineingeboren werden, sich dann aber gestützt auf ihr rationales und moralisches Anlagepotenzial von den dogmatischen Vorgaben der ihnen aufgenötigten religiösen Weltanschauung lösen und sich den normativen Prinzipien der europäischen Moderne zuwenden. (Eine kluge Integrationsstrategie würde genau diesen Lösungsprozess fokussieren und eben nicht die islamischen Identitätspolitik umfassend fördern und befestigen.) Andererseits ist aber auch der wie eine Monstranz aufdringlich propagierte Mythos von den „friedliebenden Muslimen“ kritisch zu hinterfragen. Denn übersehen wird dabei, dass die islamische Herrschaftskultur einen funktional-arbeitsteilig gegliederten Systemzusammenhang bildet, in dem bestimmten Funktionsträgern die Aufgabe zufällt, Schneisen der politisch-weltanschaulichen, rechtlichen und kulturellen Akzeptanz und „Anerkennung“ in die nichtmuslimische Aufnahmegesellschaft zu fräsen, während andere Funktionsabteilungen gleichzeitig anderswo gerade Köpfe abschneiden und Ungläubige massakrieren. Beides gehört zusammen und lässt sich eben nicht gemäß eines verbreiteten ideologischen Wunschdenkens nach dem Aschenputtelprinzip in zwei essentiell unterschiedliche „Islame“ aufteilen. Dabei ist auch in Rechnung zu stellen, dass „friedliche“ Muslime sehr schnell ihren Verhaltensmodus ändern könn(t)en, wenn ein Lagewechsel und eine damit verbundene Veränderung der Kräfteverhältnisse eintreten. So berichten vor dem IS geflohene Jesiden, dass nach dem Auftauchen der Dschihadisten ihre langjährigen muslimischen Nachbarn ihnen gegenüber mit einem Mal nicht nur aggressiv aufgetreten seien, sondern sogar hauptsächlich Gräueltaten verübt hätten.

You know, the Yazidis feel so betrayed by the Arab neighbors they had lived among for so many years; they all turned on the Yazidis when ISIS came. Many of the atrocities were carried out not by the militants but by their own neighbors. [18]

Es gibt überhaupt kein plausibles Argument dafür, dass sich streng gläubige Muslime angesichts des islamischen Unterdrückungs- und Ausmerzungsterrors gegenüber „Ungläubigen“ anders verhalten sollten als die „gewöhnlichen Deutschen“ gegenüber dem Terror der Nazis (vgl. Gellately 2002). Und siehe da, aktuell wird darüber informiert, dass 92% der Bevölkerung in Saudi-Arabien der Meinung sind, dass der IS mit den Werten des Islam und den islamischen Gesetzen übereinstimme.[19]

So kann es auch nicht wirklich überraschen, dass schon vor geraumer Zeit, als noch nicht vom „Google-Dschihadismus“ gesprochen wurde und die politisch-korrekte Meinungs- und Forschungszensur noch Einschüchterungslücken aufwies, selbst unter in Deutschland lebenden türkischen Jugendlichen ein überaus starker „Zusammenhang zwischen einem islamzentrierten Überlegenheitsanspruch mit einer vorwiegend konservativ-traditionellen Sichtweise und einer religiös fundierten Gewaltbereitschaft“ (Heitmeyer/Müller/Schröder 1997, S.130) herausgefunden wurde. So stimmten 35,7% der befragten türkischen Jugendlichen der Aussage zu „Wenn es der islamischen Gemeinschaft dient, bin ich bereit, mich mit körperlicher Gewalt gegen Ungläubig durchzusetzen“. 24,3% bejahten die Aussage „Wenn es der islamischen Gemeinschaft dient, bin ich bereit, andere zu erniedrigen“. 28,5% regierten positiv auf die Aussage „Gewalt ist gerechtfertigt, wenn es um die Durchsetzung des islamischen Glaubens geht“. Und 23,2% stimmten der Aussage zu „Wenn jemand gegen den Islam kämpft, muß man ihn töten“. (ebenda S.129)[20].

Zum anderen fördert das islamische Überlegenheitsgefühl und der daraus hervorgehende Herrschaftswille die Orientierung auf eine kleptokratisch-parasitäre Raub-, Plünderungs- und Tributabpressungsökonomie an Stelle einer vernunftgeleiteten produktiv-kreativen Wirtschaftstätigkeit und Wissenskultur. D. h. der normative Kanon des Islam ist auf die Fixierung einer aristokratisch-klientelistischen Herrschaftskultur konzentriert mit ihren vormodern-mittelalterlichen Abhängigkeitsverhältnissen, Verteilungsprinzipien, Bereicherungsmethoden, Wertvorstellungen und Ehrbegriffen. Damit sind die elementaren Bestandteile eines Teufelskreislaufes benannt, der heute in der fatalen Verbindung von leicht entflammbarer Aggressionsbereitschaft, einer ausgeprägten Rentiersmentalität und ökonomischer Stagnation im Rahmen einer patriarchalisch normierten Überbevölkerungsproduktion[21] sichtbar wird. Auch der IS folgt aktuell genau dieser Linie: Eroberung von fremden Hoheitsgebieten; grausame Tötung und Versklavung von „Ungläubigen“; Ausrufung eines Kalifats; Errichtung einer Schreckensherrschaft; Besetzung von Ölquellen; Eintreibung von Steuern; Lösegeldforderungen für die Freilassung von Geiseln etc. Nichts davon ist neu, nichts davon ist außergewöhnlich oder überraschend, alles liegt im Rahmen der überkommenen islamischen Matrix.

Insgesamt betrachtet entspricht dem islamischen Streben nach universeller Herrschaft ein differenziertes strategisches Vorgehen, das konkrete Kräfteverhältnisse sehr wohl zu berücksichtigen weiß. Seine Grundmaxime lautet: Verpflichtung zum Kampf mit offenem Visier bei eigener Stärke und fremder Schwäche; Unterlassung des offenen Kampfes bei eigener Schwäche und fremder Stärke. Angesichts einer Machtkonstellation, wo die Kräfte der Ungläubigen überwiegen, was beispielsweise für die Situation immigrierter Muslime in einem nichtislamischen Einwanderungsland zutrifft, wird das Prinzip der Taqiyya empfohlen, d. h. die islamrechtliche Erlaubnis, bei ungünstigen Kräfteverhältnissen und widrigen Handlungsbedingungen den eigenen Glauben und die aus ihm hervorgehenden Absichten zu verbergen. So heißt es in der Scharia:

„Wenn es möglich ist, ein Ziel nur durch Lügen und nicht durch die Wahrheit zu erreichen, dann ist lügen erlaubt, wenn das Ziel eine erlaubte Handlung ist, und obligatorisch, wenn das Ziel obligatorisch ist (die Welteroberung ist obligatorisch). Aber es ist religiös vorsichtiger, an all diesen Fällen Worte zu gebrauchen, die einen irreführenden Eindruck erwecken, das heisst, etwas mit seinen Worten zu sagen, das wörtlich wahr ist, so dass man nicht lügt, während der äussere Sinn der Worte den Zuhörer täuscht. Aber sogar wenn man nicht etwas (Wahres) sagt und einfach lügt, verstösst dies in obengenannten Situationen nicht gegen das Gesetz.“[22]

Zum Standardrepertoire dieser Mischform aus Halbwahrheiten, Lügen und Irreführungen gehören heute im Westen insbesondere die folgenden korrespondierenden Behauptungen, die von den Massenmedien begierig aufgesaugt und multipliziert werden:

1. Der Koran und die Hadithe sind subjektiv völlig willkürlich auslegbar. 2. Den Islam gibt es angeblich nicht, es gibt nur Islame. 3. Nicht die orthodoxen und radikalen Muslime, sondern die Vertreter des „moderaten Islam“ sind in der Mehrheit. 4. Deshalb muss jede Form grundsätzlicher Islamkritik unterdrückt werden, um das halluzinierte Werk der moderaten Muslime nicht zu stören.

Als konkrete Verhaltensform tritt Taqiyya nicht zuletzt in Gestalt heuchlerischer Anpassung an die nichtislamische Umgebung bei gleichzeitiger Verschleierung der eigenen Absichten in Erscheinung. Das gilt insbesondere für die doppelbödige Praxis der dazu eigens geschulten islamischen Verbandsfunktionäre in Deutschland. Was über diese bereits vor längerer Zeit gesagt wurde, gilt nach wie vor in zugespitzter Weise: „Gegenüber Deutschen und in deutscher Sprache betont man unablässig, auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen und den Dialog zu wollen. Gegenüber Türken und in türkischer Sprache überwiegen Hetzparolen gegen die deutsche Demokratie, den Pluralismus und die angeblich ‚sittlich verrottete‘ deutsche Gesellschaft‘“ (Hildegard Becker, zit. n. Spuler-Stegemann 2002, S.55).

Wer angesichts dieser Faktenlage Europa wirklich vom reaktionär-destruktiven Islamballast befreien will, der müsste zunächst eine Kraft aufbauen, die in der Lage ist, dieses multiple und verzweigte proislamische Lügengebilde mit all seinen institutionellen und personellen Gewährleistungsfacetten nachhaltig außer Kraft zu setzen.

29. August 2014

 

 

Literatur: 

al-Buhari, Sahih: Nachrichten von Taten und Aussprüchen des Propheten Muhammad. Ausgewählt, aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Dieter Ferchl. Stuttgart 1991.

Chomeini, Ajatollah: Der islamische Staat. Aus dem Persischen übersetzt und herausgegeben von Nader Hassan und Ilse Itscherenska. Berlin 1983.

Dashti, Ali: 23 Jahre. Die Karriere des Propheten Mohammed, Aschaffenburg 1997.

Flaig, Egon: Der Islam will die Welteroberung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. September 2006, S. 35 und 37.

Gellately, Robert: Hingeschaut und Weggesehen. Hitler und sein Volk. Stuttgart, München 2002.

Der Hadith Band III: Ehe und Familie/Soziale Beziehungen/Einsatz für die Sache des Islams Urkunde der islamischen Tradition. Ausgew. und übers. von Adel Theodor Khoury. Gütersloh 2009.

Heitmeyer, Wilhelm/Müller, Joachim/Schröder, Helmut: Verlockender Fundamentalismus. Türkische Jugendliche in Deutschland. Frankfurt am Main 1997.

Hughes, Thomas Patrick: Lexikon des Islam. Dreieich 1995.

Der Koran (herausgegeben von Kurt Rudolph und Ernst Werner), Leipzig 1984. 6. Auflage.

Der Koran. Übersetzung von Rudi Paret. 10. Auflage. Stuttgart 2007.

Krauss, Hartmut: Faschismus und Fundamentalismus. Varianten totalitärer Bewegung im Spannungsfeld zwischen ‚prämoderner‘ Herrschaftskultur und kapitalistischer ‚Moderne‘. Osnabrück 2003.

Krauss, Hartmut: Islamismus als religiöser Totalitarismus. Zur Entzündung der muslimischen Herrschaftskultur. In: Aufklärung und Kritik. Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie. Hrsg.: Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg. Sonderheft 13/2007. S. 199 - 231.

Krauss, Hartmut: Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung. Ein analytischer Leitfaden. Osnabrück 2013a.

Krauss, Hartmut: Islam im Kopf. In: FreidenkerIn. Organ des Freidenkerbundes Österreichs. 42. Jg. Heft 2/2013b, S. 22-23.

Meddeb, Abdelwahab: Die Krankheit des Islam, Heidelberg 2002.

Nagel, Tilman: Mohammed. Leben und Legende. München 2008.

Nagel, Tilman: Allahs Liebling. Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammedglaubens. München 2008a.

Pew Research Center: The World’s Muslims: Religion, Politics and Society. April 2013.

Raddatz, Hans-Peter: Von Allah zum Terror? Der Djihad und die Deformierung des Westens. München 2002.

Rodinson, Maxime: Mohammed. Luzern und Frankfurt/M. 1975.

Singer, Hans-Rudolf: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters. In: Haarmann, Ulrich (Hg.): Geschichte der arabischen Welt. München 1987, S. 264 - 322.

Spuler-Stegemann, Ursula: Muslime in Deutschland. Informationen und Klärungen. Freiburg 2002.

Ibn Warraq: Warum ich kein Muslim bin. Berlin 2004.


 

[4] Angesichts der Tatsache, dass die USA aus globalstrategischen Gründen chronisch zugleich als Förderer und Bekämpfer islamistischer Bewegungen fungieren (vgl. das Taliban-Desaster), wäre auch der These nachzugehen, dass die CIA mit Hilfe der Gülenbewegung die Islamische Bewegung Ost-Turkestan steuert, um den Konkurrenten China zu schwächen bzw. gezielt zu destabilisieren. Dabei wird der islamspezifische Hass auf „Ungläubige“ genutzt; darunter eben auch solche „Ungläubige“, die den amerikanischen Globalinteressen im Wege stehen. Dass dabei andererseits auch US-Bürger dem islamistischen Terror zum Opfer fallen, wird im Rahmen dieses nihilistischen Utilitarismus billigend in Kauf genommen. Vgl. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/uigurischer-terroranschlag-in-kunming-islamistische-gruppe-nimmt-china-ins-visier.html

[6] Zwar ist die Ausgangsprämisse dieser religiösen Ideologie in Gestalt eines willkürlich herbeiphantasierten „göttlichen Willens“ - objektiv betrachtet - höchst irrational. Aber bewegt man sich gedanklich erst einmal im Rahmen dieser einsozialisierten Basisbehauptung, dann ist das daraus hervorgehende Handeln logisch konsistent und subjektiv funktional, indem es sowohl paradiesischen Lohn verheißt als auch umfassende „Beutebeteiligung“ an der Eroberung fremder Territorien sowie an der Ausplünderung, Unterdrückung und Versklavung von „Ungläubigen“ gewährleistet. Hinzu kommt dann nebenbei auch noch die Möglichkeit zur enthemmten Befriedigung sadistischer Gelüste. Zum widersprüchlichen Verhältnis von objektiver Unangemessenheit/Irrationalität und subjektiver Funktionalität ideologischer Bedeutungsangebote vgl. grundsätzlich http://www.glasnost.de/autoren/krauss/wid3.html

[7] Vgl. Krauss 2003.

[8] Die häufig angeführte Abwehr- und Ablenkungsthese, dass ja auch die Bibel gewaltlegitimierende Aussagen enthalte, führt insofern in die Irre, da hierbei übersehen wird, dass der Koran im Gegensatz zur Bibel ein unmittelbar von Gott/Allah inspirierter (verbalinspirativer) Text ist und somit einen qualitativ erheblich höheren Verbindlichkeitsgrad aufweist. Man muss sich also bei den folgenden Koranzitaten klar vor Augen führen, dass es sich hierbei in der Perspektive der Gläubigen um direkte (und nicht nacherzählte) Gottesbefehle handelt, die sich nicht einfach „wegmeinen“ oder weginterpretieren lassen, wenn man es mit unangenehmer nichtmuslimischer Kritik zu tun bekommt. Umso erschreckender, wie unmündige muslimische Kinder mit wippenden Oberkörpern zum Auswendiglernen dieses gewalthaltigen Buches angehalten werden und umso skandalöser, dass dieser Text im deutschen Schulsystem bekenntnisreligiös eingesetzt werden darf. Zur Kritik der „Auslegungslegende“ vgl. Krauss 2013a, S. 30ff.

[9] Wie Raddatz (2002, S. 101) völlig zutreffend betont, fehlt aufgrund der Pauschalvergabe von Macht durch Allah im Islam „eine gesetzliche Struktur, welche den Prozess der Machtergreifung kanalisieren, strukturieren und letztlich zivilisieren könnte. Die pauschale Lizenz Allahs zur Bekämpfung des Unglaubens und Installation seines Gesetzes aktiviert im Normalfall das Maximum an Gewalt, weil die Realisierung des Gottesgesetzes im Zentrum des Glaubens steht. Nicht das Bemühen um eine Realisierung des Sittengesetzes und seinen Beitrag zur Weltgestaltung steht im Vordergrund des islamischen Dynamik, sondern die darwinistische Ausmerzung alles Unislamischen im Namen Allahs“.

[10] Zur Fehlbestimmung des Islam als „reine Religion“ vgl. Krauss 2013a, S. 19f.

[12] Zum muslimischen Mohammedglauben vgl. Nagel 2008a.

[13] „Hadd“ sind auf Abschreckung bedachte islamische Strafen, die wegen Vergehen gegen die angeblichen Rechtsansprüche Gottes verhängt werden. Dazu zählen Eigentumsdelikte, Vergehen gegen die islamische Sozialordnung und Verstöße gegen die islamische Sittendiktatur.

[14] Im Koran, Sure 33, Vers 25 bis 27 werden die Ereignisse wie folgt dargestellt: „Und es trieb Allah die Ungläubigen in ihrem Grimm zurück; sie erlangten keinen Vorteil; und Allah genügte den Gläubigen im Streit, denn Allah ist stark und mächtig. Und er veranlasste diejenigen vom Volke der Schrift, die ihnen halfen, von ihren Kastellen herabzusteigen, und warf Schrecken in ihre Herzen. Einen Teil erschlugt ihr und einen Teil nahmt ihr gefangen. Und er gab euch zum Erbe ihr Land und ihre Wohnungen und ihr Gut, und ein Land, das ihr nie betratet. Und Allah hat Macht über alle Dinge“ (Der Koran 1984, S. 364f.).

[15] Der Hadith, Bd. III, S. 37, Nr. 2985. Siehe auch Rodinson (1975 S. 190f.).

[16] Vgl. hierzu exemplarisch die Übersicht bei Warraq 2004, S. 304ff., Flaig 2006; Singer 1987, S. 276/277 und 301.

[17] „Dieses Unheil war ebenso schwerwiegend wie das, welches dreißig Jahre später die Juden des Rheinlands während des Ersten Kreuzzugs befallen sollte, doch ist es von der Wissenschaft nie sonderlich beachtet worden“ (Wistrich zit. n. Warraq 2004, S. 316).

[20] Aktuelle empirische Untersuchungen mit anderen Probandengruppen bestätigen dieses Einstellungspotenzial. Vgl. zum Beispiel Krauss 2013 b (FreidenkerIn 2/2013); Pew Research Center 2013 oder die Zusammenfassung in http://www.gam-online.de/Bilder/Säkulare Lebensordnung-Programm.pdf

[21] Der IS und die anderen global verstreut agierenden dschihadistischen Organisationen sind mit ihrer militärischen Kriegs- und Raubökonomie primär ein Auffangbecken für folgende Gruppen 1. Teile der männlichen Überschussbevölkerung aus den unterschiedlichen islamisch geprägten Ländern. Das ist das mit Abstand umfangreichste Segment. 2. Desintegrierte islamisch sozialisierte Zuwanderer aus westlichen Ländern, die ihr Integrationsversagen der nichtmuslimischen Aufnahmegesellschaft anlasten und eine islamistische/salafistische Form der Widerspruchsverarbeitung durchlaufen haben. 3. Eine kleine Gruppe von europäischen Konvertiten, bestehend aus adoleszenten Sonderlingen, die sich früher links- oder rechtsradikalen Gruppen angedient hätten, nun aber dem Flair des Google-Islamismus erliegen oder durch muslimische Freundeskreise als „Anerkennungstankstellen“ angefixt werden.