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Sabine Kurz

 

NATO-Truppenabzug

aus Afghanistan

Wohin steuert die Region?

Wie verändert sich die politische Landschaft in Asien?

 

Abstract: In diesem Beitrag versuche ich nachzuweisen, dass der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan sich negativ auf die internationale Sicherheitslage auswirken wird. Al Qaida und verbündete Extremistengruppen sind nichts weniger als geschlagen. Sie könnten Afghanistan und Pakistan künftig stärker als bislang als safe havens und Standort von Ausbildungscamps nutzen, um von dort aus internationale Terroranschläge zu planen. Greift der zu erwartende innerafghanische Bürgerkrieg auf Zentralasien über, würde China in einen potentiell gefährlichen Konflikt gezogen und müsste beweisen, dass es die angestrebte Rolle als Weltmacht tatsächlich übernehmen kann. Die Machtbasis der USA wird so oder so schwächer. Falls es Al Qaida gelingt, den indisch-pakistanischen Dauerkonflikt zuzuspitzen, könnte es im schlimmsten Fall zum Krieg zwischen zwei Atommächten kommen. Die größte Gefahr aber geht vom pakistanischen Atom-waffenarsenal aus. Fielen Teile davon in die Hände von Terroristen, wären die Folgen vollkommen unkalkulierbar.

 

Der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan wird das politische und wirtschaftliche Gesicht der Region, aber auch die internationale politische Landkarte weit mehr verändern als jede andere Niederlage der Amerikaner bisher. Denn erstmals dürften sich Konturen einer künftigen Weltordnung ohne westliche Vorherrschaft zeigen. Der Rückzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan wird künftig wohl denselben Symbolwert bekommen wie der Abzug der Sowjettruppen aus Afghanistan, der ja (mehr oder minder zufällig allerdings) auch den Sturz dieser Weltmacht einläutete. In Süd- und Zentralasien wird darüber mitentschieden, wieviel vom Status einer Supermacht den USA bleibt.

Der regionale Konflikt und seine Akteure

Im Brennpunkt des regionalen Konflikts liegt bislang die afghanisch-pakistanische Grenzregion. Die rund 2.560 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Staaten besteht aus einem 1.360 km langen Abschnitt im Paschtunengebiet sowie einer 1.200 Kilometer langen Grenze, die Belutschistan teilt. Staatlich-militärisch lassen Grenze wie Region sich nur schwer kontrollieren. Neben drei regulären Grenzübergängen in Torkham, Ghulam Khan und Chamman existieren rund 20 inoffizielle Grenzübergänge sowie rund 340 Stellen, an denen die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan sich leicht passieren lässt.

Der Stammesgürtel (Tribal Belt) im Nordwesten Pakistans an der Grenze zu Afghanistan, auch FATA (Federally Administered Tribal Areas) genannt, gehört zum kolonialen Erbe Britisch-Indiens und hat bis heute einen rechtlichen und administrativen Sonderstatus. Großbritannien hatte im Jahr 1893 - im Zuge des Great Game, des Machtkampfes mit Russland um die Vorherrschaft in der Region - das Stammesgebiet der Paschtunen, der größten ethnischen Gruppe im heutigen Afghanistan, geteilt, um einerseits die Kampfkraft der Stammeskrieger zu schwächen und andererseits, um eine Pufferzone gegen das zaristische Russland zu installieren. Der britische Außenminister Sir Henry Mortimer Durand ließ damals ziemlich willkürlich eine mehr als 2.000 Kilometer lange provisorische Grenze, die sogenannte Durand-Linie, ziehen, die bis heute besteht. Im Jahre 1901 wurde die sogenannte Frontier Crimes Regulation (FCR) zur Verwaltung des damals indischen, heute pakistanischen Teils der Paschtunengebiete installiert. Bei der Teilung von Britisch-Indien 1947 wurden die indisch-paschtunischen Gebiete Pakistan zugeschlagen und nicht etwa den Afghanen übergeben - einer der Gründe für das traditionell angespannte Verhältnis zwischen den beiden südasiatischen Ländern.

Die Stammesgebiete bestehen aus sieben Stammesbezirken (Tribal Agencies: Bajaur, Mohmand, Khyber, Orakzai, Kurram, Nordwaziristan, Südwaziristan) und sechs sogenannten Frontier Regions (Bannu, Dera Ismail Khan, Kohat, Lakki Marwat, Peshawar, Tank). Sie grenzen im Osten an die ebenfalls mehrheitlich paschtunische pakistanische Provinz Khyber-Pakhtunkhwa (früher NWFP), im Südosten an den Punjab, im Süden an Belutschistan und im Westen an Afghanistan. Die FCR (Frontier Crimes Regulation) gilt noch immer, deshalb sind die FATA vom pakistanischen Recht abgekoppelt. Juristisch, aber auch menschenrechtlich betrachtet sind die FATA deshalb praktisch Niemandsland. Eine reguläre Polizei oder reguläre Gerichte existieren nicht. Beschlüsse des pakistanischen Parlamentes gelten nur, wenn der Präsident nichts Gegenteiliges verfügt. Jeweils ein Verwalter (Political Agent) ist für die Stammesgebiete zuständig. Er kann Rechtsstreitigkeiten selbst entscheiden oder an Stammesräte übergeben - sofern er nicht von Extremisten bedroht und eingeschüchtert wird. Der mehr als fragile legale Status der Stammesgebiete lädt zwangsläufig die unterschiedlichsten Akteure ein, in einem praktisch rechtsfreien Raum ungehindert zu agieren. In jüngster Zeit wurde die Forderung diskutiert, die FATA der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa zuzuschlagen. Dazu ist es nicht gekommen. Im Jahr 2012 wurde die sogenannte FATA Local Goverment Regulation erlassen, ein Versuch, die bislang als unregierbar geltenden Stammesgebiete durch die Installierung von Gebietskörperschaften zu zähmen.

Wichtige Anführer der pakistanischen Taliban kommen aus den Stammesgebieten, sind aber auch in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa fest verankert. Einige Analysten unterscheiden „alte“ pakistanische Taliban und Neo-Taliban, die häufig als bloße Kriminelle ohne persönliche Bindungen in der Region, in der sie jeweils agieren, gesehen werden. Von außen allerdings sind klare Abgrenzungen auch deshalb problematisch, weil Allianzen unter den extremistischen Gruppen so rasch entstehen wie sie vergehen. Fest steht: Seit die Amerikaner nach 9/11 Afghanistan angegriffen haben und die mehrheitlich paschtunischen Taliban ebenso wie die Kämpfer der Al Qaida sich auf die pakistanische Seite der Durand-Linie zurückgezogen haben, haben sie auch in den Stammesgebieten Fakten geschaffen und Hunderte Stammesälteste, die ihnen zu „liberal“ erschienen, ermordet. Das Vakuum haben Verbündete von Al Qaida und Taliban gefüllt. Viele Anwohner wurden bei den brutalen Kämpfen vertrieben. Nach Angaben des Internal Displacement Monitoring Centre gibt es in Pakistan knapp eine Million Binnenflüchtlinge (IDPs), die nicht etwa nur vor den Auswirkungen von Naturkatastrophen oder den Drohnenangriffen der Amerikaner, sondern auch vor Taliban und Al Qaida geflüchtet sind.

Die USA, Südasien und die internationale Gemeinschaft

Das amerikanische Interesse an der Region geht auf die 1950er und frühen 1960er Jahre zurück, als man einen innerasiatischen Brückenpfeiler im kalten Krieg gegen die Sowjetunion suchte. In den siebziger Jahren entdeckte man dafür Afghanistan. Inzwischen weiß man, dass die USA die Mudjahedin in Afghanistan bereits unterstützt haben, bevor die Sowjetunion 1979 in dem südasiatischen Staat einmarschierte. 500 Millionen US-Dollar ließ Washington sich den Mudjahedin- und später Taliban-Kampf gegen die Sowjetunion pro Jahr kosten - eine Summe, die Saudi-Arabien auf eine Milliarde US-Dollar jährlich aufgestockt hat. Pakistan, vor allem der militärische Geheimdienst ISI, war ein unverzichtbarer Vermittler zwischen der CIA, die die Hilfen der Amerikaner abwickelte, und den späteren Taliban. Nach dem Fall der Sowjetunion hofften die Amerikaner zunächst, über Afghanistan Zugang zu den Öl- und Gasvorräten der zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken zu bekommen. Dieser Plan aber ließ sich wegen der entstandenen Instabilität in Afghanistan nicht verwirklichen.

Deshalb rückte Afghanistan erst nach 9/11 erneut in den Fokus der amerikanischen Außenpolitik. Washington besann sich dabei auch auf Pakistan als Unterstützer, diesmal im Terrorkampf gegen Al Qaida und die Taliban - obwohl man letztere zuvor selbst herangezüchtet hatte. Besonders realistisch und durchdacht war diese Allianz, die man mit finanzieller Unterstützung für das pakistanische Militär erzwang, von Anfang an nicht. Es ist nachvollziehbar, dass Pakistan den plötzlichen Hakenschlag der US-Politik nicht verstanden und offensichtlich auch nicht ganz ernstgenommen hat. Islamabad war ohnehin überzeugt, dass die USA ein unzuverlässiger Partner sind - etwa wenn es darum geht, die gefürchtete indische Übermacht gegenüber Pakistan in Schach zu halten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die antiwestliche und antiamerikanische Stimmung in der Bevölkerung, durch die jede Zusammenarbeit mit den USA im eigenen Land zum Risiko wird. Im Winter 2011/2012 sind die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA auf einem Tiefpunkt angelangt, und es scheint fraglich, ob dies sich noch einmal ändern lässt.

Der Antiterrorkrieg und „Afpak“

Beinahe in Vergessenheit geraten ist über diesen dramatischen Entwicklungen in Südasien, warum die Amerikaner Afghanistan überhaupt angegriffen haben. Als die Taliban, die das Land 2001 beherrschten, sich nach 9/11 weigerten, Al Qaida-Chefplaner und Finanzier Osama bin Laden an die USA auszuliefern, entschloss Präsident Bush sich, die Taliban zu entmachten und Bin Laden selbst zu fassen. Ein Sieg über die Taliban hat sich längst als Illusion erwiesen, und Bin Laden konnte erst nach 10 Jahren dingfest gemacht werden. Die Taliban kontrollieren schon vor dem endgültigen Abzug der NATO wieder große Teile Afghanistans. Dass sowohl die Amerikaner wie der afghanische Präsident Karzai bereits Gespräche mit den künftigen Machthabern führen, sollte man nicht missdeuten. Die Aussicht auf eine Einigung oder gar eine konstruktive Zusammenarbeit sind extrem gering. Leider hinterlassen USA und Isaf die Region in einem weit instabileren Zustand als 2001. Denn Taliban und verbündeten Gruppen wie u. a. Al Qaida ist es inzwischen gelungen, auch Pakistan dramatisch zu destabilisieren.

Die Strategie, Krieg gegen ein Land zu führen, ohne tatsächlich einen Krieg zu führen, hat den USA und der NATO nicht den erhofften Erfolg gebracht. Man wollte zu viel, man unterschätzte den Gegner, man suchte die falschen Verbündeten und man strebte Ziele an, die sich wechselseitig ausschlossen: Die Taliban schlagen, mit den Warlords paktieren, die Zivilbevölkerung schonen, eine funktionierende Infrastruktur und ganz nebenbei eine Demokratie und Freundschaft mit dem Westen aufbauen - und all das gleichzeitig. Schon die Unterscheidung, wer Terrorist ist und wer ein harmloser ziviler Akteur, fiel zunehmend schwer. Die Terroristen, so stellte sich heraus, nahmen normale Afghanen als Geiseln oder missbrauchten sie als menschliche Schutzschilde. Trotz breit gefächerter Wirtschaftshilfen sank die Sympathie der afghanischen Bevölkerung für die Amerikaner wegen der zahlreichen zivilen Opfer bald. Zwar hat man nach den ersten Misserfolgen mit dem Human Terrain System-Ansatz (u. a. Einbindung von Ethnologen und Psychologen in die Militärteams) versucht, den Einsatz erfolgreicher zu machen und die Sympathie der Bevölkerung wiederzugewinnen. Die zugrundeliegende falsche Analyse der Situation in Südasien hat auch diese gut gemeinte Strategie nicht mehr korrigieren können. Die Bush-Regierung hat schlicht und einfach zu spät bemerkt, dass Pakistan das größere Problem im Kampf gegen den Terror ist. So waren es die Pakistanis, die Osama bin Laden 2001 bei Tora Bora entkommen ließen. Dass Präsident Bush zusätzlich den - inzwischen ebenfalls mit einer vernichtenden Niederlage beendeten - Irakkrieg begann, hat dem Einsatz in Afghanistan zusätzlich geschadet, u. a. weil dringend benötigte Truppen dort gebunden wurden.

Die Liquidierung von Osama bin Laden ohne pakistanische Hilfe hat zwar belegt, dass die Amerikaner ihre Naivität zumindest gegenüber den Pakistanis korrigiert haben. Damit steht aber auch fest, dass Pakistan den amerikanischen Antiterrorkurs nicht mitträgt. Wikileaks hatte bereits offenbart, dass der Einfluss der Amerikaner in Pakistan überschätzt wurde. Zwar hat Islamabad den Amerikanern lange gestattet, von pakistanischen Basen aus Drohnenangriffe gegen Terroristen in den Stammesgebieten zu starten, doch im Dezember 2011 zwangen sie die USA, die Basis Shamsi in Belutschistan zu räumen.

Die sinnvollen und wirksamen amerikanischen Drohnenangriffe gegen Terroristen in den pakistanischen Stammesgebieten (die Friedensnobelpreisträger Obama als eine seiner ersten Amtshandlungen massiv erhöht hatte) sind damit zunächst einmal erschwert; im Jahr 2013 ist ihre Zahl auf nur noch 28 gegenüber 117 Angriffen im Jahr 2010 gesunken - zum Teil sicher auch, weil die Amerikaner inzwischen auch einen Drohnenkrieg im Jemen führen und weil Syrien in den Blickpunkt gerückt ist. In aller Ruhe können Al Qaida, pakistanische Taliban und verbündete Gruppen jetzt ihre Ausbildungslager wiederaufbauen - wegen der Drohnenangriffe hatten sie bislang von mobilen Basen aus arbeiten müssen. Da die Amerikaner bereits angekündigt haben, ihre Antiterrorstrategie in Zukunft stärker auf Al Qaida im Jemen (AQAP) und in Nordafrika zu konzentrieren, wäre jetzt der optimale Zeitpunkt für Al Qaida & Co., das Führungszentrum im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet wieder aufzubauen - falls dies zu ihrer Strategie passen sollte.

Terror gegen den Westen made in Pakistan

Obwohl die USA unzweifelhaft Erfolge im Antiterrorkrieg gegen Al Qaida und Taliban erzielt haben, ist die Macht der Terrorgruppen nichts weniger als gebrochen. In seiner Studie „The Militant Pipeline: Between the Afghanistan-Pakistan Border Region and the West“ hat Paul Cruickshank (ein Hochschullehrer und Journalist, der sich auf Themen des internationalen Terrors spezialisiert hat) im Jahr 2010 untersucht, welche Gefahr für den Westen von der Region ausgeht. Dazu hat er insgesamt 32 ernstzunehmende Pläne für Terroranschläge auf westliche Ziele ausgewertet. Seine wichtigsten Ergebnisse:

Der zentral geplante „leader-led“-Jihad ist ungebrochen relevant. Neun Anschlagspläne zeigten direkte Verbindungen zum harten Kern von Al Qaida. Die meisten westlichen Terrorplaner haben in Pakistan trainiert.

63 % der Terrorplots zeigten eindeutige Verbindungen zu Al Qaida in Pakistan bzw. in Jemen (AQAP) und Irak auf.

In 53 % der Fälle (17 Anschlagspläne) bekamen die Terroristen entweder direkte Anweisungen oder Training von Al Qaida bzw. deren Verbündeten in Pakistan.

In 44 % der Fälle (14 Anschlagspläne) handelten die Jihadisten im Westen auf direkte Weisung von Al Qaida in Pakistan aus. Außerdem zeigte sich eine starke Korrelation zwischen Reisen nach Pakistan und der Entwicklung ernsthafter Anschlagspläne.

Auch wenn inzwischen neue Schauplätze im Kampf gegen den Terror bedeutsam geworden sind, wird die Region nach dem NATO-Abzug ihre Bedeutung als Rückzugsort wahrscheinlich nicht oder zumindest nicht ganz verlieren.

Pakistan ist ein Land am Rande des Bürgerkrieges. Das offizielle Pakistan ist nicht vollkommen antiwestlich, das beweist eine mehr als ungewöhnliche Aktion: Zum 10jährigen Jahrestag der Terroranschläge von 9/11 hat das Land großformatige Anzeigen in amerikanischen Medien, etwa dem Wallstreet Journal, geschaltet. Der unfreiwillig satirisch klingende Text lautete: Which country can do more for your peace? Since 2001, a nation of 180 million has been fighting for the future of the world’s 7 billion. Die Stimmung in der pakistanischen Bevölkerung machen solche Aktionen nicht prowestlicher - ganz abgesehen von den zahlreichen militanten Gruppen, die dem Westen den Krieg erklärt haben. Auch was passieren wird, wenn das pakistanische Militär erneut putscht - was keine Überraschung wäre - ist nicht wirklich vorauszusehen.

Pakistan - zwischen allen Stühlen?

Die Amerikaner sind nicht die einzige fremde Nation, die in der pakistanischen Politik Mitspracherechte beansprucht. China und Saudi-Arabien zum Beispiel haben eigene, sehr handfeste Interessen in Pakistan. In der Auseinandersetzung mit dem Nachbarn und Rivalen Indien geht es schon aus Tradition irrational zu. Das größte Problem aber ist, dass Pakistan heute weniger denn je Herr im eigenen Haus ist. Im jährlich erhobenen Index of failed states des Fund for Peace rangiert Pakistan auf Position 12, der desolate Nachbarstaat Afghanistan - nur zum Vergleich - auf Position 7.

Der FAZ-Autor Jochen Buchsteiner hat Pakistan unlängst ein „als Demokratie getarntes Feudalsystem“ genannt - mit vollem Recht. Die mächtigen pakistanischen Familien mit den Milliardenvermögen (meist aus Sindh und dem Punjab) sind - zumindest ökonomisch betrachtet - aus Eigeninteresse an den internationalen Eliten orientiert, deren Gemeinschaft auch ihr Einkommen und ihre Privilegien sichert. Man denke an die vermutlich von Al Qaida oder den Taliban ermordete Benazir Bhutto und an ihren Witwer, den früheren Präsidenten Zardari, dessen Kinder standesgemäß an britischen Nobeluniversitäten studieren. Engagieren solche Vertreter der quasifeudalen Elite sich in der Politik, müssen sie zwar auf die Befindlichkeiten der meist national und religiös orientierten Wähler Rücksicht nehmen. Doch ihre Interessen und die der Bevölkerungsmehrheit sind nun einmal nicht deckungsgleich.

Eine nennenswerte, politisch bewusste und womöglich politisch homogene Mittelschicht hat Pakistan nicht. Und es gibt wenig wirtschaftlichen Spielraum, in dem sich eine solche Mittelschicht entwickeln könnte - aus der allein eine funktionierende Zivilgesellschaft erwachsen könnte. Die Alphabetisierungsrate im Land mit der sechstgrößten Bevölkerung der Welt ist niedrig und liegt bei Männern bei 63%, bei Frauen bei nur 36% (Zahlen von 2005, CIA World Factbook).

Die einzige stabile, einflussreiche und paradoxerweise demokratiefähige Gruppe außerhalb der Feudalkaste bildet das Militär. Die immense Bedeutung der Streitkräfte geht bis in die Zeit des indischen Mogulreiches zurück. Und auch als britisches Kolonialreich hatte Indien eine bedeutende Armee. Im 19. Jahrhundert baute man im Punjab und in Sindh Bewässerungsanlagen, um landwirtschaftliche Flächen zu erschließen. Das nun fruchtbare Land wurde Angehörigen des Militärs übereignet. Entwicklung und Wohlstand sind damit in Pakistan besonders eng mit dem Militär verknüpft. Nach der indischen Teilung 1947, als der gesamte Subkontinent durch die Umsiedlung großer Bevölkerungsgruppen im Chaos eines der fürchterlichsten Gemetzel der Weltgeschichte zu versinken drohte, war das (durch den suboptimalen Ablauf der Teilung der einst indischen Streitkräfte geschwächte) Heer einer der wenigen Stabilitätsgaranten in Pakistan.

Seit der Teilung Indiens hat Pakistan mehrere bedeutende Wellen der Reislamisierung erlebt, die auch das Heer grundlegend verändert haben. Die verhältnismäßig liberal und säkular orientierte Führungselite, die nach 1947 am Ruder war, wurde inzwischen fast vollständig von Militärs abgelöst, deren fachliche Ausbildung zwingend mit religiöser Indoktrination verknüpft war. Sowohl im Militär wie im mächtigen militärischen Geheimdienst ISI gab und gibt es - wohl auf allen Hierarchieebenen und trotz mancher Säuberungsversuche des ehemaligen Präsidenten und Militärchefs Musharrafs wie auch des heutigen Armeechefs Kayani - Sympathisanten für fundamentalistische Kräfte.

Ethnische Spannungen im Vielvölkerstaat erhöhen das Krisenpotential. Unter den Minderheiten spielen die Paschtunen (Pathanen), die 15,42 % der Bevölkerung ausmachen, und die Belutschen, die zwar nur 3,57 % der Bevölkerung ausmachen, in ihrem Gebiet aber über bedeutende Bodenschätze verfügen, eine besondere Rolle. Das Siedlungsgebiet der Belutschen ist wie das der Paschtunen geteilt; auch in Iran und in Afghanistan leben Angehörige der Volksgruppe. Politisch einflussreich sind auch die bei der indischen Teilung eingewanderten Muhajirs (7.57 % Bevölkerungsanteil), zu denen etwa der frühere Armeechef und Präsident Pervez Musharraf gehört. Aber auch die großen ehemals indischen Volksgruppen, Punjabis (44,68 % Bevölkerungsanteil) und die Bewohner des Sindh (14,1 % Bevölkerungsanteil) vertreten häufig separate Interessen. Weil Pakistan eine Youth bulge-Nation ist (36 % der Pakistaner sind unter 15 Jahren), werden alle derzeitigen innenpolitischen Konflikte sich auch ohne jede Einwirkung von außen noch zuspitzen.

Die Pakistanis sind zwar zu 95 % Muslime (Sunniten 75 %, Schiiten 20 % der Bevölkerung), doch tragen die zahlreichen radikalen Gruppierungen mit ihren ständig wechselnden Kämpfen und Allianzen selbst dann Unruhe ins Land, wenn es einmal keine Terroranschläge gibt. Religiöse Minderheiten wie die islamische Ahmadiyasekte, Christen, Sikhs und Hindus werden gesetzlich diskriminiert und oft brutal verfolgt.

Pakistan: Terror als Teil der Politik

Man sollte weder der pakistanischen Feudalkaste noch der politischen und militärischen Führungsriege generelle Sympathie für den internationalen Terrorismus unterstellen. Allerdings hat praktisch jede pakistanische Regierung einheimische radikale islamische Gruppen geduldet oder sogar gefördert. Hintergrund ist die beinahe mythologische Feindschaft zu Indien, der Wunsch, im Dauerstreit um Kaschmir und Jammu auch unterhalb der diplomatischen Ebene, nämlich paramilitärisch, zu agieren. Radikale und terroristische Gruppen haben so jahrzehntelang als nützliche Idioten der herrschenden Kaste fungiert und provoziert, terrorisiert und Druck ausgeübt.

Auch nach Beginn des sowjetisch-afghanischen Krieges, als mit den Mudjahedin neue Terrorgruppen entstanden und erstmals auch arabische Freiwillige ins Grenzgebiet zu Afghanistan kamen, hat Pakistan seine proterroristische Politik nicht geändert. 1984 etwa konnte Osama Bin Laden in Peschawar ungehindert ein Gästehaus als Anlaufstelle für arabische Mudjahedin errichten. Ohne die Hilfe des pakistanischen Militärs und des pakistanischen militärischen Geheimdienstes ISI hätten die USA die afghanischen Mudjahedin bzw. die später entstandenen Taliban nicht gegen die Sowjets mit Geld, Waffen und militärischer Ausbildung unterstützen können. Pakistan stand also immer im Zentrum des Geschehens und glaubte zu lange, auch die neuen Terrorgruppen steuern zu können. Als die Amerikaner nach 9/11 Afghanistan angriffen, um Osama bin Laden zu fangen, waren sie erneut auf pakistanische Hilfe angewiesen. Pakistan ließ sich diese Unterstützung teuer bezahlen und spielte, wie man inzwischen weiß, ein Doppelspiel. Als Bin Laden sich im November 2001 vor den US-Truppen nach Tora-Bora zurückzog, um sich im dortigen Höhlenlabyrinth zu verstecken, halfen ihm wohl auch pakistanische Unterstützer zu fliehen, als die Amerikaner ihn festnehmen wollten.

Islamabad hat lange nie auch nur versucht, den Terror im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zu bekämpfen. Die wichtigsten Gründe dafür sind:

- der Dauerkonflikt mit dem Rivalen Indien um Kaschmir und Jammu, in dem vom ISI geförderte radikalterroristische Gruppen den praktisch-schmutzigen Teil der pakistanischen Strategie übernehmen

- der Wunsch, den indischen Einfluss in einem instabilen Afghanistan gering zu halten

- die Solidarität innerhalb der islamischen Umma, die es verbietet, Nichtmuslime im Kampf gegen andere Muslime zu unterstützen

- die enge Verbindung zu Saudi-Arabien, einem Land, das immer wieder als Terrorunterstützer im Verdacht stand und steht

In naher Zukunft könnte diese Politik sich rächen. Al Qaida wie pakistanische Taliban sind heute besser aufgestellt als vor dem Einmarsch der Amerikaner in Afghanistan - obwohl viele Anführer getötet werden konnten und obwohl die Amerikaner mit ihren Drohnenangriffen Ausbildungslager und Ausrüstung zerstört haben. Die Terroristen haben etliche hochrangige Experten aus Militär und Geheimdienst als Unterstützer gewonnen, etwa den ehemaligen Chef des militärischen Geheimdienstes ISI, Hamid Gul. Gul soll mit gezielter Desinformation die Wut der Taliban gegen die USA sogar noch angestachelt haben. Angeblich hat er behauptet, die USA wollten Afghanistan an Indien übergeben, falls sie sich aus dem Land zurückziehen würden - ein politischer Alptraum für jeden pakistanischen Bürger, umso mehr für einen Fanatiker. Es gibt etliche weitere glaubwürdige Berichte über Überläufer aus Militär, Marine und ISI. Viele internationale Experten glauben außerdem, dass eine eigene Schattenfraktion des ISI, S-Wing genannt, regelmäßige Kontakte zu den in Pakistan agierenden Terrorgruppen unterhält und diese systematisch unterstützt. Laute Beteuerungen der pakistanischen Führung, die Befehlskette in Militär und ISI sei intakt, sind deshalb mit Vorsicht zu genießen.

Im nicht-radikalisierten (und damit größten) Teil der pakistanischen Bevölkerung ist die Sympathie für den westlichen Antiterrorkampf ebenfalls gering - verständlich, wird dieser doch auf dem eigenen Territorium ausgetragen. Außerdem lehnen viele Pakistanis es grundsätzlich ab, Nicht-Muslime im Kampf gegen Muslime zu unterstützen. Pakistanische Soldaten, die in dem traditionell geprägten, stark von Familienbindungen getragenen Land gegen terrorverdächtige Landsleute eingesetzt werden, geraten deshalb zwangsläufig in Loyalitätskonflikte. In ihrer Familie und in der Dorfgemeinschaft sehen sie sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, die Interessen der USA gegen die Interessen ihrer muslimischen Landsleute zu vertreten. Inzwischen allerdings dürfte auch der pakistanischen Mehrheitsbevölkerung dämmern, dass der Terror im eigenen Land nicht nur mit dem Antiterrorkampf der Amerikaner zu tun hat.

Weder Pakistan noch die USA haben ein Interesse daran, dass darüber berichtet wird, doch auch die Zahl der Deserteure und Befehlsverweigerer in der Armee ist hoch. Der australische Militärberater und Ethnologe David Kilcullen, der die Bushregierung bei der Überarbeitung ihrer militärischen Strategie in Afghanistan und im Irak beraten hat, ist sogar so weit gegangen, die Fähigkeit der pakistanischen Streitkräfte, im Antiterrorkampf nutzbringend tätig zu werden, ganz in Frage zu stellen. Aufgrund verbreiteter Befehlsverweigerung, Identifikation mit Terroristen und Korruption hat er deshalb vorgeschlagen, die pakistanische Polizei (!) für diese Aufgabe auszubilden - wohlgemerkt im vollen Bewusstsein, dass diese eine solche Riesenaufgabe wohl kaum würde stemmen können.

Die pakistanische Führung in der Klemme - die ich rief, die Geister …

Als im Mai 2011 der pakistanische Journalist Syed Saleem Shahzad, einer der besten Kenner der Terrorszene in Afghanistan und Pakistan, ermordet wurde, geriet neben Al Qaida und den Taliban schnell auch der ISI in Verdacht. Zuletzt hatte Shahzad u. a. berichtet, dass die pakistanische Marine direkt in die Planung der Terroranschläge in Mumbai von 2008 verwickelt gewesen sei. Kritische Kommentatoren stellten nach dem Mord an dem Journalisten die entscheidende Frage, ob - vorausgesetzt, der ISI sei verantwortlich - die loyale oder die terroristische Fraktion des Geheimdienstes den Mord verübt habe … Es sagt viel aus über Pakistan, dass nicht damit zu rechnen ist, dass die Hintergründe des Todes von Syed Saleem Shahzad je geklärt werden können.

Weder die schwache pakistanische Regierung noch das politisch entscheidende Militär oder der ISI - beziehungsweise deren loyale Teile - werden die Geister des Terrorismus, die sie einst selbst gerufen haben, wieder los. Seit 9/11 sollen mindestens 35.000 Pakistanis bei Selbstmordanschlägen ums Leben gekommen sein. Die Unterscheidung, wer Freund und wer Feind ist, fällt inzwischen nicht nur den internationalen Truppen schwer, sondern auch Pakistans regierender Klasse. Der ehemalige Präsident Zardari etwa soll bereits bei seinem Amtsantritt seinen Sohn instruiert haben, dass seine Tante die politische Nachfolge des Vaters antreten solle, falls er einem Anschlag zum Opfer fallen sollte.

Dass die pakistanische Elite sich zumindest bemüht, den internationalen Terrorismus zu bekämpfen, hat sie immer wieder belegt. Vor einigen Jahren noch zeichnete der ISI die Zusammenarbeit mit den USA bei der Verhaftung eines Top-Terroristen in den hellsten Farben:

„This operation was planned and conducted with technical assistance of United State Intelligence Agencies with whom Inter Services Intelligence has a strong, historic intelligence relationship. Both Pakistan and United States intelligence agencies continue to work closely together to enhance security of their respective nations. The intimate cooperation between Pakistan and United States Intelligence agencies has resulted into prevention of number of high profile terrorist acts not only inside Pakistan/United States but elsewhere also in world.

Inzwischen allerdings ist das Klima zwischen den USA und dem pakistanischen Militär sowie seinem Geheimdienst abgekühlt. Wirklich neu war der Versuch, ausländische Terroristen zu bekämpfen, ohnehin nicht. Schon lange hatte man versucht, die Bevölkerung in den Stammesgebieten dazu zu bewegen, ausländischen Al Qaida-Kämpfern das Gastrecht zu entziehen. Weil aber viele Ausländer inzwischen mit pakistanischen Frauen verheiratet und damit in die Stämme integriert sind, war und ist das wenig aussichtsreich. Wesentlich sinnvoller sind auch die „Friedensverhandlungen“ nicht, die Islamabad immer wieder mit Tehrik-i-Taliban (TTP), den pakistanischen Taliban führt. Zwar haben pakistanische Taliban im Gegensatz zu Al Qaida-Kämpfern nicht unbedingt ein Interesse daran, Pakistan zu destabilisieren. Doch eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Regierung ist genauso wenig zu erwarten, schließlich wollen die Taliban einen rigiden Gottesstaat.

 Pakistan - ein Failed State rüstet auf

Unter Präsident Nawaz Sharif wurden im Mai 1998 die ersten pakistanischen Nukleartests durchgeführt. Seitdem hat das Land sein Nuklearprogramm kontinuierlich erweitert. Im Februar 2011 ließ das Center for Strategic and International Studies verlauten: „Pakistan Joins the Nuclear 100 Club“ - wobei 100 atomare Sprengköpfe einer Verdopplung des nuklearen Potenzials seit 2007 entsprächen. US-Experten warnen schon länger, dass Pakistan womöglich bald die Nummer 4 auf der Weltrangliste der Nuklearbewaffnung, Frankreich (geschätzte knapp 300 atomare Sprengköpfe), überholen könnte. Unter anderem in den Stammesgebieten hat Pakistan - das die Anreicherung von Uran beherrscht - eigene Uranvorkommen. Zur Zeit arbeitet Pakistan an einer neuen Atomanlage in Khushab, das etwa 200 Kilometer südlich von Islamabad liegt. Unabhängig davon, wie präzise die Schätzungen über die Zahl der Sprengköpfe sind: Dass ein scheiternder Staat Atomwaffen besitzt, ist an sich schon ein Grund zur Sorge.

Lösungsversuche: Neue Seidenstraße statt Great Game?

Viel von dem, was die USA heute zu ihren „Erfolgen“ in Afghanistan und im pakistanischen Grenzgebiet verlauten lassen, ist schiere Beschwichtigung. Dazu zählen auch die beinahe rührenden Versuche der Amerikaner, in Zentral- und Südasien in letzter Minute für länderübergreifende Projekte im Sinne einer „neuen Seidenstraße“ zu werben. Washington möchte gegen jede Realität beweisen, dass es bei der amerikanischen Intervention in Zentral- und Südasien nicht um wirtschaftliche Interessen ging.

So hat Washington unter anderem versucht, die Central Asian Counternarcotics Initiative (CACI) forcieren, die in den fünf zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan eine gemeinsame Drogen-Task Force etablieren soll, die mit bereits bestehenden Einheiten in Afghanistan und Russland zusammenarbeiten könnte. Da die Taliban ihre einstige Anti-Drogen-Politik schon vor Jahren radikal geändert haben und inzwischen gern vom Mohnanbau profitieren, stellt sich eigentlich eher die Frage, warum diese Initiative so spät kommt. Denn die Erfolgsaussichten sind gering. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, den Vorschlag zu realisieren, den vor einigen Jahren der britische Senlis Council, ein Think-tank, der sich mit Sicherheit, Entwicklung und Drogenbekämpfung beschäftigt, gemacht hat. Senlis schlug vor, den afghanischen Mohnbauern den Aufkauf ihrer Ernte zu garantieren und das Rohopium an indische Pharmaunternehmen zu verkaufen, die legale Opioide als Arzneimittel herstellen.

Dass die Amerikaner sich im Streit um die Erschließung der zentralasiatischen Erdgasreserven für ein ursprünglich vom turkmenischen Präsidenten Gurbanguli Berdymukhamedov präferiertes Projekt, TAPI (Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-India Pipeline), ins Zeug legen, ist nicht ganz uneigennützig. TAPI, eines von mehreren konkurrierenden Projekten, könnte Erdgas aus dem turkmenischen Dauletabad-Feld via Afghanistan und Pakistan bis nach Indien und, in einer zweiten Verlängerung, über den pakistanischen Großhafen Gwadar in unmittelbarer Nähe des Persischen Golfes (für dessen Ausbau wiederum die Chinesen verantwortlich sind) bis auf den europäischen Markt bringen. Das Projekt veranschlagt die Pipeline auf ungefähr 2.000 Kilometer Länge, die geplante Kapazität liegt bei 90 Millionen Standardkubikmetern pro Tag. Von TAPI würde nicht nur Turkmenistan, das über die viertgrößten Erdgasreserven verfügt, profitieren. Auch Afghanistan und Pakistan würden allein an den Transitgebühren verdienen. Die USA haben sich dafür stark gemacht, dass die Asian Development Bank das auf 7,6 Milliarden US-Dollar veranschlagte Projekt finanziert. Ein indischer Exdiplomat hat TAPI als das Projekt einer Neuen Seidenstraße gerühmt, das Zentralasien mit den westlichen Märkten verbinden und dabei Russland und Iran geschickt aushebeln könnte. Die Amerikaner dürften lange gehofft haben, dass die Sicherheit der Pipeline eine ständige US-amerikanische Präsenz in Zentralasien und Afghanistan legitimieren könnte - denn diese ist bei den Nachbarstaaten Iran, Russland und China natürlich umstritten. Nach bisherigen Schätzungen würden mindestens 7.000 Wachleute gebraucht, um die Pipeline zu sichern.

Regionale Führungsrolle für China?

Die USA legen sich auch deshalb so für TAPI ins Zeug, weil sie ein Alternativprojekt, die Iran-Pakistan-India (IPI) Pipeline, gerne verhindern würden. Dieses Projekt würde Iran ungeheure Marktchancen eröffnen und so auch die Finanzierung seines Atomprogramms sichern. Allerdings haben Pakistan und Iran bereits 2009 den Bau einer Pipeline zwischen den beiden Ländern vereinbart, und Iran hat - im Gegensatz zu Pakistan - die dafür benötigten Leitungen bereits gebaut. Im Interesse der Amerikaner wäre es noch weniger, wenn aus IPI womöglich IPC werden könnte, wenn die Pipeline von Pakistan aus nicht nach Indien, sondern nach China abzweigen würde. Weil die Chinesen aber in Pakistan wirtschaftlich so aktiv sind, könnte es darauf hinauslaufen.

Einer der wenigen verbliebenen Vorteile der Schwellenmacht Indien gegenüber dem großen Konkurrenten China war bislang der direkte Zugang zum Indischen Ozean. Bald aber wird China der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens auch hier den Rang ablaufen. Eine der Trumpfkarten, die China ausspielt, ist Pakistan. China unterstützt das Nachbarland politisch (wie etwa nach der Liquidierung Bin Ladens) und wirtschaftlich schon seit Jahrzehnten und ohne den Zickzackkurs der Amerikaner - natürlich nicht aus reinem Altruismus. Wenn etwa, wie geplant, der Karakorum-Highway verbreitert wird, der China und Pakistan verbindet, kommt das chinesischen Exportinteressen ebenso entgegen wie der ebenfalls vereinbarte Bau von Eisenbahnlinien und Straßen im pakistanischen Beluschistan, durch die China mit dem Indischen Ozean verbunden wird. Angekündigt wurde inzwischen auch der Bau eines Ein-Gigawatt-Atommeilers durch die China National Nuclear Corp (CNNC) - das fünfte Kraftwerk aus China, wenn es denn gebaut wird.

Die Krönung von Chinas Engagement in Pakistan ist der Bau des Tiefseehafens in Gwadar in Belutschistan, der durch seine Lage am Persischen Golf in unmittelbarer Nähe der Straße von Hormus (einer der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt) China, aber auch den Ländern Zentralasiens und natürlich Pakistan selbst Zugang zu wichtigen Weltmärkten verschafft. Nervös dürfte die Welt wegen Gwadar auch deshalb werden, weil er nicht der einzige Großhafen ist, den China plant; weitere Projekte in Kyaukpyu in Burma, in Chittagong und in Cox Bazaar in Bangladesch sowie in Hambantota auf Sri Lanka stehen auf der Liste.

China könnte aber auch aus einem ganz anderen Grund ein besserer Partner für Pakistan sein als die USA. Angst vor Terroranschlägen hat Peking bei seinen Projekten in Pakistan bisher nicht gezeigt - vielleicht, weil man zu Hause seit Jahrzehnten sehr robust mit Regimegegnern umgeht. Der Journalist Behram Baloch hat dieses Fazit gezogen: China is the only country that can deal with the tough conditions in Pakistan. They are already working at Sandak and completed the construction of Gawadar Port ignoring continuous attacks and kidnapping of their employees.Pakistan grenzt im Nordosten an die chinesische Unruheregion Xinjiang, in der die muslimischen Uiguren trotz der jahrzehntelangen forcierten Ansiedlung von Han-Chinesen noch immer eine starke Bevölkerungsgruppe bilden. Peking macht ausländische Extremisten für die Gewalt in Xinjiang verantwortlich und weiß auch, dass die Aufständischen Kontakte zum Nachbarn Pakistan haben: Das Uigurische ist eine Turksprache, insofern hatten und haben militante Uiguren keine Verständigungsprobleme, wenn sie sich in den pakistanischen Stammesgebieten ebenfalls turksprachigen Al Qaida-Kämpfern etwa aus Usbekistan anschließen. China hätte sicher nichts dagegen, gemeinsam mit Pakistan auch uigurische Extremisten zu bekämpfen.

Trotzdem bleibt die große Frage, was Peking tun wird, wenn die Amerikaner sich ganz aus der Region zurückziehen. China ist zwar Teil innerasiatischer Terrorinitiativen und hat etwa die Shanghaier Konvention über den Kampf gegen Terrorismus, Separatismus und Extremismus mitgetragen. Aber Peking hat sich bislang eher bedeckt gehalten, was den wachsenden Terror in Pakistan betrifft. Zwar stellt China sich in Konflikten - wie im November 2011, als NATO-Kräfte rund 25 pakistanische Soldaten getötet haben - demonstrativ an die Seite des Nachbarn. Ob Peking allerdings die relative „Ruhe“ in Xinjiang langfristig wird aufrechterhalten können, wenn in Afghanistan erst einmal die Taliban herrschen und wenn Al Qaida und andere Verbündete der Terroristen noch freieres Spiel auch in Pakistan und im benachbarten Zentralasien haben, wird sich zeigen. Würde Pakistan in einen Bürgerkrieg abrutschen, müsste auch China Farbe bekennen, wenn es seine wirtschaftlichen Interessen und die neue Rolle als wohl stärkste Regionalmacht sichern will.

Pakistans starker Freund - Saudi-Arabien

Der kritische pakistanische Atomphysiker Pervez Hoodbhoy hat schon 2009 eine bittere Wahrheit ausgesprochen: Wenn Pakistan sich westlich orientiert, dann liegt der Westen auf der arabischen Halbinsel. Die arabisch-pakistanische Freundschaft steht seit dem Niedergang des indischen Mogulreiches auf einem soliden Fundament. In Indien, aber auch im Siedlungsgebiet der Paschtunen bildeten sich damals erste radikale islamische Gruppen, die gegen die Briten kämpften. Obwohl diese Gruppen in Indien entstanden - zum Beispiel im nordindischen Deoband - entwickelten sie bald Sympathien mit dem aus Arabien stammenden Wahhabismus. Exemplarisch sei hier der Prediger Syed Ahmad genannt, der schon 1821 im Verlauf einer Pilgerreise nach Mekka mit den Wahhabiten in Kontakt kam und, weiter radikalisiert, nach Indien zurückkehrte. Dort inspirierte er radikale Muslime, die im paschtunischen Nordwesten des Landes gegen die Briten kämpften.

Historisch-ideologisch-religiös beruht die Verbindung der beiden Länder auf dem Wahhabismus und der von diesem inspirierten Deobandibewegung. Viele der Koranschulen in Pakistan, die heute den Terrornachwuchs ausbilden, wurden mit Mitteln aus Saudi-Arabien gegründet. Heute kommen gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen hinzu. Der Wüstenstaat bewirtschaftet z. B. große Anbauflächen in Pakistan, Land Grabbing, das vor allem auf Kosten der Armen in dem südasiatischen Land geht. Aber auch auf persönlicher Ebene gibt es viele gewachsene Verbindungen. Nawaz Sharif etwa, der Präsident Pakistans, verbrachte einige Jahre im Exil in Saudi-Arabien, nachdem er durch den Militärputsch von Pervez Musharraf entmachtet worden war. Die Brüder von Osama bin Laden z. B. pflegten regelmäßig nach Pakistan zu reisen, um im damals noch idyllischen Swattal (heute eine vom Terror gezeichnete Region) zu jagen.

Sympathien für islamischen Terror hat es auch in Saudi-Arabien lange gegeben. Inzwischen allerdings ist Riad in einer ähnlichen Lage wie Islamabad, denn man bekommt die Terroristen nicht mehr unter Kontrolle. Al Qaida im Jemen (AQAP, Al Qaeda in the Arabian Peninsula) macht den Saudis inzwischen mindestens so große Probleme wie Al Qaida in Pakistan der pakistanischen Führung. Dass sich daraus eine gemeinsame Anti-Terror-Strategie entwickeln könnte, ist aber momentan nicht wahrscheinlich.

Ist Afghanistan verloren?

Wenn USA und ISAF ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, gibt die Weltgemeinschaft das Land de facto auf. Bilaterale Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft über das Jahr 2014 hinaus sind wenig mehr als ein Versuch der USA, beim Abzug das Gesicht zu wahren. „We are not going to just disappear from the area and the region“, tönt es aus Washington. Doch was soll das heißen? Die weitgehend paschtunischen Taliban werden so oder so die Macht übernehmen.

Fällt der gemeinsame Feind USA weg, ist allerdings auch der Weg zu weiteren Stammeskämpfen wieder offen, denn im Vielvölkerstaat Afghanistan hat jede Ethnie mindestens einen eigenen Warlord. Ob es zu einem Bürgerkrieg kommen wird oder ob es den Taliban gelingen wird, eine kriegerische „Stabilität“ zu etablieren, ist schwer vorauszusehen. Man erinnere sich: Den ersten Selbstmordanschlag auf afghanischem Boden gab es zwei Tage vor 9/11, als Al Qaida den mächtigen und beim Volk hochgeachteten Tadschikenführer Ahmad Shah Masood tötete. Das Institute for Conflict Management hat errechnet, dass es seither 735 Selbstmordanschläge in Afghanistan gegeben hat, bei denen mindestens 3.753 Personen getötet wurden.

Aber zunächst einmal werden die Taliban mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Die afghanische Wirtschaft ist unterentwickelt, instabil und von Korruption geprägt. Eine belastbare Infrastruktur, die Investoren anlocken könnte, fehlt. Experten schätzen, dass 60 Prozent des afghanischen Bruttoinlandproduktes an die Präsenz ausländischer Truppen gebunden sind. Von den Milliarden, die die Weltgemeinschaft in Afghanistan investiert hat, ist nicht allzuviel beim afghanischen Volk angekommen. Bis zu 40 Prozent der Hilfsgelder sollen über die sogenannten Contractors direkt wieder aus dem Land abgeflossen sein. Wieviel korrupte Beamte und Politiker in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, wieviel Geld in unsinnige, weil ohne Ortskenntnis geplante Großprojekte in den afghanischen Sand gesetzt wurde, ist schwer zu klären. Fest steht nur, dass das Afghanistan des Jahres 2014 ganz und gar nicht so aussieht, wie man dies 2001 gehofft und geplant hatte.

Jahrelang hatte man auch versucht, afghanische Flüchtlinge ins Land zurückzuholen und einzugliedern. Mehr als 4,6 Millionen Afghanen sind tatsächlich zurückgekehrt. Es bleiben noch rund drei Millionen afghanische Flüchtlinge, die vor allem in Iran und in Pakistan leben. Immer weniger von ihnen sind heute bereit, nach Afghanistan zurückzukehren. Denn medizinische Versorgung, Trinkwasser sowie Schulen und Ausbildungsstätten für Kinder fehlen - von Wohnungen und Arbeitsplätzen einmal ganz abgesehen.

Sicher ist, dass die afghanische Schattenwirtschaft, das Geschäft mit Drogen, Waffen und Menschen, nach dem Abzug der NATO-Truppen notgedrungen wird wachsen müssen - einfach, um das Überleben der Bevölkerung zu sichern. Ob es Länder gibt, die auch nach dem Abzug in dem instabilen Land investieren wollen, bleibt abzuwarten. China etwa hat in Aynak gerade drei Milliarden Dollar in eine Kupfermine investiert und sichert sich weitere Optionen auf afghanische Bodenschätze.

Unklar ist auch, wie das Verhältnis von afghanischen Taliban, Al Qaida und anderen Terrorgruppen sich nach dem Abzug der Amerikaner entwickeln wird. Al Qaida etwa könnte an Rückzugsräumen auf afghanischem Boden interessiert sein. Fraglich ist auch, ob bereits bestehende unterschiedliche Interessen (s. u.) zu Konflikten und eventuell zur Spaltung im Terrorlager führen werden.

Was will Iran?

Iran geht es auch im Afpak-Konflikt vor allem um die eigene Position in der islamischen Welt - und international. Unterstützung für die Mudjahedin, Sabotageakte gegen die NATO-Truppen, Verwicklungen in die afghanische Drogenwirtschaft - Irans Politik war eher selten von innerislamischer Solidarität mit den afghanischen Angehörigen der Umma geprägt. So hat man den Millionen afghanischen Tadschiken, die wegen der gemeinsamen Sprache und Kultur nach Iran geflüchtet waren, wenig Chancen gegeben, sich zu integrieren. Auch mit dem überwiegend sunnitisch geprägten Nachbarn Pakistan verbindet den schiitischen Iran natürlich keine Freundschaft. Gemeinsame Interessen hat man höchstens gegen den Separatismus der Belutschen, denn nicht nur im Südwesten Pakistans, sondern auch im Südosten Irans lebt eine - wenn auch zahlenmäßig mit zwei Prozent Bevölkerungsanteil kleine - belutschische Minderheit.

Dass Iran Terrorgruppen u. a. gegen die USA und Israel unterstützt, ist seit Jahrzehnten bekannt. In einem wenig beachteten Gerichtsurteil hat ein Richter in Washington, D. C. unlängst ausgeführt, dass Iran neben der schiitischen Hisbollah jahrelang auch Osama bin Laden und Al Qaida direkt unterstützt hat. Dabei hat man den Terroristen - zum Teil vermittelt durch die Hisbollah - auch das technische Know-how zur Durchführung von Bombenanschlägen vermittelt. Irans Behauptung, man gehe gegen Al Qaida vor, ist deshalb mehr als fragwürdig. Den Grundsatzkonflikt zwischen Sunniten und Schiiten stellen moderne islamische Fundamentalisten schon einmal - zumindest temporär - zurück, wenn es gegen den Westen geht. Osama bin Laden soll das iranische Angebot einer ständigen Zusammenarbeit nur abgelehnt haben, um seine saudischen Unterstützer nicht zu verprellen. Tatsächlich hat Teheran einige Jahre lang Familienmitglieder von Osama bin Laden festgehalten, darunter eine seiner Frauen und zwei terrorverdächtige Söhne. Ob es sich bei dem achtjährigen „Hausarrest“ aber um eine haftähnliche Situation gehandelt hat oder eher um eine Schutzmaßnahme, ist ungeklärt - zumal die Familie inzwischen Iran verlassen durfte.

Auch andere Al Qaida-Mitglieder haben sich längere Zeit unter nicht gerade transparenten Umständen in Iran aufgehalten. Die amerikanische 9/11-Untersuchungskommission hatte schon 2004 herausgefunden, dass acht bis zehn der späteren Attentäter vom 11. September zwischen Oktober 2000 und Februar 2001 durch Iran gereist sind. Iranische Grenzbeamte sollen sogar schon angewiesen worden sein, die Pässe von Al Qaida-Mitgliedern nicht zu stempeln. Allerdings gab es keine Hinweise darauf, dass Teheran über die Planung von 9/11 informiert war. Ein geheimes Abkommen Irans mit Al Qaida - das einige Kritiker vermuten - ist deshalb gar nicht so unwahrscheinlich. Zwar gab es im vergangenen Jahr einen verbalen Schlagabtausch zwischen Iran und Al Qaida. Präsident Ahmadinejad, ein großer Freund von Verschwörungstheorien, warf den USA wieder einmal vor, 9/11 selbst geplant und durchgeführt zu haben. Al Qaida hat das im hauseigenen Lifestyle-Magazin „Inspire“ scharf zurückgewiesen. Iran konterte prompt mit der absurden Behauptung, nicht Al Qaida, sondern die CIA gebe „Inspire“ heraus. In jüngster Zeit hat Iran im Austausch gegen einen entführten iranischen Diplomaten hochrangige Mitglieder von Al Qaida freigelassen. Ob man sich erpresst fühlte, ob man freiwillig gehandelt hat - wir wissen es nicht. Zuspitzungen dürften sich auch aus der Präsenz von Al Qaida im Syrienkonflikt ergeben.

Wird Indien zur Achillesferse der Weltgemeinschaft?

Die größte Demokratie der Welt hat ein Problem mit dem Terror, ohne Frage. Neben islamischen Djihadisten vorwiegend aus Pakistan, die im Kaschmir-Jammu-Streit aktiv sind, bedrohen maoistische Rebellen, die sogenannten Naxaliten, die Stabilität des Landes. Die Sikhs, die einst im Punjab einen eigenen Sikh-Staat erzwingen wollten, haben sich lange ruhig verhalten. Doch lässt sich hier genausowenig wie im nordostindischen Assam ausschließen, dass die Kämpfe wieder aufflammen.

Al Qaida und Taliban bzw. deren Verbündete haben in den letzten Jahren spektakuläre Anschläge in Indien verübt. Im Jahr 2006 starben mehr als 200 Menschen, als die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba (LeT) Bomben in Vorortzügen in Mumbai explodieren ließ. 2008 dann folgte der große Terroranschlag von Mumbai, bei dem 166 Menschen ums Leben kamen. Auch hier hatte Lashkar-e-Taiba (LeT) den Anschlag geplant und durchgeführt. Ebenfalls 2008 verübte die Terrorgruppe Harkat-ul-Jihadi-e-Islami (HuJI), die wohl von Pakistan und Bangladesh aus operiert, einen Anschlag in der Stadt Guwahati im nordostindischen Bundesstaat Assam, bei dem mehr als 80 Menschen getötet und etwa 400 verletzt wurden. Auch für einen Bombenanschlag vor dem Obersten Gericht in der indischen Hauptstadt Neu Delhi, bei dem elf Menschen starben und etwa 60 verletzt wurden, soll HuJI verantwortlich sein. Mitte Juli 2011 wurden bei einer Serie von Anschlägen in Mumbai mehr als 20 Menschen getötet. Der australische Ethnologe und Militärberater David Kilcullen geht davon aus, dass diese Anschläge einen neuen Trend anzeigen. Jede Terrorbekämpfung der Zukunft, so glaubt er, wird auch mit Gruppen rechnen müssen, die sowohl durch das Internet und wie in der realen Welt gut vernetzt sind und urbane, am Meer liegende Regionen als Operationsbasis nutzen - was sie noch schwerer kontrollierbar machen dürfte.

Indien ist nichts weniger als ein Zufallsopfer der Dschihadisten. Al Qaidas Vordenker und ihre Strategien sind stark von islamischen Endzeitvorstellungen geprägt. Ihr Dschihad zielt auf das künftige Reich des Mahdi, das aus einem unausweichlichen bewaffneten heiligen Krieg hervorgehen wird. Ohne die Konfrontation zwischen Gut und Böse, zwischen göttlichen und satanischen Mächten bzw. deren Agenten, ist der Sieg, der erst zum vollkommenen Frieden führen wird, undenkbar. Der pakistanische Journalist Syed Saleem Shahzad hat immer wieder berichtet, dass Al Qaida Indien als ersten Schauplatz des apokalyptischen Kampfes betrachtet. Deshalb dürften dort weitere Terrorangriffe folgen. Schon von den Anschlägen in Mumbai von 2008 dürfte Al Qaida sich eine Zuspitzung des indisch-pakistanischen Konflikts erhofft haben, eventuell sogar einen Erstschlag Indiens. Im Chaos einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Pakistan und Indien hätte Al Qaida den eigenen Aktionsradius innerhalb Pakistans gerne erweitert. Als zweite Konsequenz wäre man der großen Schlacht der Endzeit ein gutes Stück näher gekommen. Die neuerlichen Anschläge in Indien 2011 könnten belegen, dass Syed Saleem Shahzad Recht hatte.

Eine der wichtigsten offenen Fragen zur Zukunft der Region wäre deshalb, ob es Al Qaida und verbündeten Terrorgruppen gelingen könnte, Indien zu einem Einmarsch in Pakistan oder zu einem anderen Angriff auf den terrorverdächtigen Nachbarn zu provozieren. Die indische Armee verfügt über eine Million Soldaten und ist für einen sofortigen konventionellen Schlag gegen Pakistan bestens gerüstet. Einen atomaren Erstschlag aber hat das Land bislang ausgeschlossen. Dass aber Pakistan mit seiner klar unterlegenen Armee so nervös werden könnte, dass es Atomwaffen gegen den Erzfeind einsetzt, lässt sich nicht ausschließen. Denkbar wäre auch, dass atomare Sprengköpfe in Pakistan in die Hände von Extremisten gelangen könnten - mit nicht absehbaren Folgen.

Post-amerikanisches Asien: die ersten Konflikte

 Die Amerikaner können und wollen ein breiteres Engagement in Südasien nicht mehr finanzieren. Müssen sie sich in der Folge auch aus Zentralasien zurückziehen, verlieren sie Einfluss in ganz Asien. Iran, China und Russland würde das freuen.

Die Schlüsselfrage in der Afpak-Region dürfte sein, inwieweit die Interessen von Taliban, Al Qaida und Co. sich in den letzten Jahren angenähert haben. Denn zumindest in Pakistan waren sie lange nicht deckungsgleich. Al Qaida träumt als international orientierte Gruppierung von der Welteroberung, vom globalen Kalifat. Die „alten“ Taliban möchten einen autonomen, islamistischen Paschtunenstaat errichten, die quasi „traditionellen“ Terrorgruppen in Pakistan sind einst fokussiert auf den Kampf um Jammu und Kaschmir entstanden. Pakistanische Extremisten möchten Pakistan überwiegend nicht so weit destabilisieren, dass das Land zusammenbrechen könnte - auch deshalb verhandelt die pakistanische Regierung immer wieder mit ihnen.

Doch es gibt auch international orientierte Terrorführer beiderseits der Durand-Linie. In Afghanistan hat Al Qaida zuletzt zumindest für das Kampfgeschehen keine Rolle mehr gespielt. Möchte Al Qaida künftig wieder Ausbildungslager für Terroristen errichten und womöglich mitregieren? Sind die afghanischen Warlords noch stark genug, um gegen die Taliban aufzubegehren? Die Terrorbewegungen haben sich in den Jahren seit 9/11 verändert. Neue Gruppen sind entstanden, Rivalitäten und Kooperationen können das Geschehen auch kurzfristig verändern. Theoretisch könnte Al Qaida das Interesse an der Afpak-Region verlieren und sich auf die neuen Kriegsschauplätze in Schwarzafrika, im Maghreb, auf der arabischen Halbinsel, im Irak und aktuell natürlich im Syrienkonflikt konzentrieren. Indien wird vermutlich als Terrorziel nicht vergessen, könnte aber kurzfristig zugunsten des aktuellen Kampfgeschehens zurückgestellt werden.

Zu befürchten ist auch, dass der Terror noch stärker als bisher nach Zentralasien überschwappt. Das Ferganatal, das sich über Teile von Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan erstreckt, gilt bereits als Unruheherd und könnte zur echten Krisenregion werden. Im Ferganatal leben etwa 20 % der Bevölkerung Zentralasiens. Zwar haben sich in der postsowjetischen Ära Diktatoren etabliert, doch der islamistische Druck von unten könnte sich nach dem Fall Afghanistans in ganz Zentralasien verstärken und die autoritären Regime ins Wanken bringen. Neben Separatismus und organisierter Kriminalität unterminieren Drogen- und Menschenhandel - oft von den Extremisten betrieben - dort die Stabilität. Würden die islamischen Turkvölker Zentralasiens, aber auch die Tadschiken stärker als bislang rebellieren, müsste China sich mehr in der Region engagieren, um die Uiguren im eigenen Land unter Kontrolle zu halten.

Man wird die Entwicklung abwarten müssen. Fest steht nur: So oder so, die entscheidende Rolle im neuen, post-amerikanischen Asien wird China als neue Weltmacht spielen. Viel wird der Westen nicht (mehr) beitragen können, um die Region zu befrieden.

 

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(14.04.2014)